Nürnberg (1)

Wir beginnen unsere Wanderung in Nürnberg, der zweitgrößten Stadt Bayerns mit ca.  500.000 Einwohnern. Nürnberg liegt im waldreichen mittelfränkischen Becken an der Pegnitz. Viele Namen und viele Attribute hat sich die einstige Freie Reichsstadt erworben: Meistersingerstadt, Dürerstadt, Stadt des Spielzeugs und des Christkindmarkts, der Lebkuchen und der Bratwürste, aber auch der Ort, an dem die Naziparteitage abgehalten wurden und die Kriegsverbrecherprozesse stattfanden.

Ein Gang durch das 950 Jahre alte Nürnberg, des „Deutschen Reiches Schatzkästlein“ – denn hier wurden die Reichskleinodien aufbewahrt – ist ein Gang durch die Geschichte. Beim Wiederaufbau blieb der historische Grundriss der Altstadt gewahrt. So vermitteln heute die größtenteils erhaltene Stadtmauer (14.-17. Jh.) mit ihren zahlreichen Toren und Türmen, die Burg sowie die Pfarrkirchen St. Lorenz und St. Sebaldus ein eindrucksvolles Bild des alten Nürnberg.

Zunächst parken wir unser Auto in Nürnberg Süd und fahren mit Bus und U-Bahn zum Hauptbahnhof, um einen Stadtrundgang durch Nürnberg zu machen. Wir beginnen am markanten und vollständig erhaltenen „Frauentor“, einem Teil der ehemaligen Befestigungsanlage. Heute besteht es aus dem Dicken Turm, der im 14. Jahrhundert als viereckiger Wehrturm errichtet und 1558 rund ummantelt wurde und dem links stehenden, mit dem Reichswappen verzierten Stadttor.

Hier führt der Weg über eine Grabenbrücke in den „Waffenhof“, der heute als Handwerkerhof „Alt-Nürnberg“ einen Einblick in die traditionellen Handwerkskünste früherer Jahrhunderte geben soll. Der Handwerkerhof besteht aus vielen kleinen, eng nebeneinander stehenden Fachwerkhäuschen, in denen die diversen Handwerker ihre Waren feilbieten.

Bald erreichen wir das „Nassauer Haus“, eines der besterhaltenen Beispiele mittelalterlicher Turmhäuser des Adels. Der wehrhafte Charakter hat nur symbolischen und schmückenden Wert. Gegenüber dem Nassauer Haus steht die zweitürmige gotische „St. Lorenzkirche“, die größte Kirche Nürnbergs. Blickfänge von außen sind das um 1355 entstandene Westportal mit reichhaltigem Figurenschmuck und vor allem die 9 m durchmessende Fensterrose darüber.

Die Lorenzkirche wurde nach der Kriegszerstörung dem mittelalterlichen Zustand gemäß wieder aufgebaut. Im Innern sind besonders hervorzuheben der am Chorgewölbe hängende „Engelsgruß“ (englischer Gruß) von 1517/18 des Bildhauers Veit Stoß.

Auf einer Brücke über die Pegnitz blicken wir hinüber zum „Heilig-Geist-Spital“, das 1332-39 als Stiftung des reichen Patriziers Konrad Groß (Reichsschultheiß) für Alte und Bedürftige errichtet wurde und als die umfangreichste Stiftung einer Einzelperson im Reich vor 1500 gilt. Ab 1500 wurde es nach Entwürfen Hans Beheims d. Älteren mit „Sude“ und „Bau“ über die Pegnitz erweitert. Erhalten sind Sudenprediger- und Verwalterhaus und die Nordwand der ehemaligen Spitalkirche mit polygonalem Dachreiter. In der nicht wiederhergestellten Kirche wurden von 1424-1796 die Reichskleinodien aufbewahrt.

Die Ostseite des Platzes „Am Hauptmarkt“ nimmt die gotische „Frauenkirche“ ein. 1355-58 ließ Kaiser Karl IV. anstelle der abgerissenen Synagoge die erste gotische Hallenkirche Frankens als dreischiffige kaiserliche Hofkapelle errichten. Vermutlich führte Peter Parler, Baumeister des Prager Veitsdoms, den Bau aus. Die Kunstuhr mit dem „Männleinlaufen“ wurde 1509 von Sebastian Lindenast und Georg Heuß geschaffen. Täglich um 12.00 Uhr umschreiten die sieben Kurfürsten Kaiser Karl IV., in Erinnerung an den Erlass der Goldenen Bulle im Jahr 1356. Ebenfalls am Hauptmarkt, wo in der Adventszeit der weltberühmte Nürnberger Christkindlmarkt stattfindet, steht der „Schöne Brunnen“.

Die 19 m hohe Steinpyramide, die um 1385-86 von Heinrich Beheim erbaut wurde, wächst wie eine gotische Kirchturmspitze aus einem achteckigen Becken und verjüngt sich über drei Stufen bis zur Kreuzblume. In vier Reihen stehen vierzig Steinfiguren, die das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches repräsentieren. Unten: Philosophie und sieben freie Künste, darüber die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Mitte: die sieben Kurfürsten und die neun Helden. Oben: Moses und die sieben Propheten. Das Gitter mit dem bekannten, mehrmals erneuerten drehbaren Messingring wurde von Paulus Kühn aus Augsburg 1587 geschmiedet. Die Erneuerung des „Goldenen Rings“ wurde immer wieder notwendig, da das Drehen desselben Glück bringen soll. Wir haben auf den entsprechenden Test verzichtet. Vom weichen Sandstein des Originals sind nur noch wenige Teile im Germanischen Nationalmuseum erhalten. Die Kopie aus Muschelkalk stammt aus den Jahren 1897-1902.

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