Nürnberg (2)

 

Nürnberger Burg ©walker

Hoch über der Stadt erhebt sich das Wahrzeichen Nürnbergs, die Burg. Sie wurde im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, im 12. Jahrhundert von den Staufern ausgebaut und zählt zu den bedeutendsten Kaiserpfalzen des Mittelalters. Burg und Stadt erlebten im Mittelalter mehr Reichs- und Hoftage als jede andere deutsche Stadt und alle Kaiser von 1050 bis 1571 hielten sich ohne Ausnahme zeitweise repräsentierend oder regierend auf der Burg auf.

Die Burg wurde auf einem Sandsteinrücken am Nordhang der historischen Altstadt erbaut. Sie gliedert sich in drei Teile:

Die reichsstädtischen Bauten im Osten und Norden mit der so genannten Kaiserstallung als bedeutendstem Gebäude. Im mittleren Bereich lieg die Burggrafenburg dar, ihre Substanz geht auf die von Heinrich III gegründete salische Königsburg zurück. Bei der Gründung der staufischen Kaiserpfalz wurde die Burg Amtssitz der Burggrafen, also des kaiserlichen Verwalters Sie wurde nach ihrer Zerstörung im Jahre 1420 nicht wieder aufgebaut. Erhalten blieb der Fünfeckturm „Altnürnberg“, ein durch eine dreieckige Verstärkung erweiterter Viereckbau. Er wurde 1040 erbaut und ist das älteste Gebäude der Stadt. Den westlichen Teil bildet die Kaiserburg mit dem Sinnwellturm, dem markantesten Turm der gesamten Burganlage, dem „Tiefen Brunnen“, einem Brunnenhaus mit einem 47 m tiefen Brunnen und dem Sekretariatsgebäude.

Unser Weg vom Schloss durch die Stadt führt uns am Albrecht-Dürer-Haus vorbei, das um 1420 in der typischen Mischbauweise eines Nürnberger Bürgerhauses mit Sandsteinsockel und Fachwerk erbaut wurde. 1502 hatte sein Besitzer, der Astronom Bernhard Walther, eine Seite des Erker geschmückten Daches um ein Stockwerk anheben lassen. Von 1509 bis 1528 lebte und arbeitete darin Albrecht Dürer. Mit der 1871 gegründeten Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung begann die Ausstattung als Museum. 1998 eröffnete das Haus mit einer neuen Konzeption, die das Leben und Werk Albrecht Dürers darstellt. Die Multivision „Albertus Durer Noricus“ und die lebendige Malerwerkstatt führen in das Werk Dürers ein, die „Ehefrau Agnes“ führt durch das Haus und zeigt einen Künstlerhaushalt der Renaissance.

Abseits der üblichen Touristenpfade kommen wir durch den schönen Straßenzug der Weißgerbergasse in der Sebalder Altstadt. Etwa 20 historische Häuser haben hier den Krieg überlebt und geben eine Vorstellung vom ursprünglichen Aussehen vieler Altstadtstraßen, deren Merkmale die schmalen, oft nur 2 Fensterachsen breiten Häuser und das Vorherrschen des Fachwerks sind. Hier lebten und arbeiteten vorwiegend Weißgerber, die mit Hilfe von Alaun helles, feines Leder herstellten. Sie weichten die Häute in gemauerten Becken im Keller ein, walkten sie mit einem Stampfer, schabten mehrmals mit gebogenen Messern den Talg ab und trockneten das Leder auf Gestellen an der nahen Stadtmauer.

Der in den Jahren 1446-48 errichtete Weinstadel an der Pegnitz zählt zu den schönsten Gebäuden Nürnbergs. Mit seinen 48 Metern Länge ist er der größte Fachwerkbau in Deutschland. Über dem aus Sandstein gemauerten Erdgeschoss befinden sich zwei Fachwerkobergeschosse. Darüber wurde das aus drei Geschossen bestehende Satteldach aufgesetzt. An der Stirnseite zur Pegnitz befinden sich Holzgalerien mit metallenen Wasserspeiern, zum Henkersteg hin eine Brücke mit Wehrgang. Im 13. Jahrhundert verlief an dieser Stelle die „vorletzte Stadtbefestigung“, die hier durch eine Pegnitzüberbrückung die beiden Stadtseiten miteinander verband. Der Weinstadel diente Mitte des 15. Jahrhunderts der Unterbringung von Aussätzigen bzw. Leprakranken. Ab ca. 1571 wurde der Bau als Weinlager, später als Arbeits- und Spinnhaus und als Unterkunft für arme Familien genutzt. 1950 erfolgte der Umbau zum Studentenwohnheim; seitdem ist die innere Baustruktur kaum mehr zu erkennen.

Bald sind wir wieder zurück am Frauentor. Im Handwerkerhof stärken wir uns für die doch eintönige Schlussstrecke nach Nürnberg Süd entlang von Straßen und über eine Baustellenbrücke.

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