Schwabach – Abenberg (1)

Heute fahren wir zum Endpunkt unserer Tageswanderung und nutzen von Abenberg als einzige Mitfahrer den Rufbus nach Schwabach. Dort durchqueren wir einen kleinen Park und sehen einigen Enten zu. In der Altstadt findet heute ein Volkslauf statt, was infolge der Absperrungen, der Zuschauer und der Läufer die Möglichkeiten zum Fotografieren doch etwas einschränkt, allerdings macht es auch Spaß den Bambini-Lauf und die Anstrengungen der kleinsten Läufer und Läuferinnen zu beobachten.

Schwabach liegt im mittelfränkischen Becken. Diese Landschaft wird geprägt von den Wäldern im Süden, Westen und Norden und der Talaue der Rednitz im Osten. Die Stadt selbst liegt zu beiden Seiten der Schwabach, die hier in die Rednitz mündet. Sie ist mit knapp 40.000 Einwohnern die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns und besitzt einen der schönsten Marktplätze Frankens mit den beiden Wahrzeichen der Stadt, der evangelischen Stadtkirche und dem Rathaus. Die Stadtkirche mit dem 71 m hohen Turm ist eines der kulturhistorisch interessantesten Gebäude der Stadt und wurde 1469-1495 in gotischem Stil als dreischiffige Staffelhalle errichtet. Sie ist St. Johannes und St. Martin von Tours, dem Schutzpatron Frankens, gewidmet.

Das Rathaus wurde 1528/29 erbaut und durch Um- und Ausbauten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. So wurde z.B. der Nordflügel 1901-04 durch das Aufsetzen eines Zierfachwerks und den Anbau eines Chörleins aus Holzschnitzwerk verschönert. Auffallend am Rathaus sind die Goldenen Dächer der beiden Türme.

Berühmt ist Schwabach für seine Goldschläger und das von ihnen produzierte und weltweit exportierte Blattgold. Der Buckingham Palace in London, Türme von orthodoxen Kirchen in der Ukraine, Palastkuppeln in den Emiraten und viele andere sehenswerte Gebäude in aller Welt wurden mit Schwabacher Blattgold versehen. Die Technik der Blattgoldherstellung geht auf die Ägypter zurück, die schon vor 5000 Jahren Gold so dünn schlugen, dass sie damit Götterfiguren, Sarkophage und Mumien vergolden konnten. In Europa ist die Herstellung des Blattgoldes seit der Antike bekannt. Im Mittelalter wurde das Handwerk zunächst von Mönchen, dann von selbstständigen Handwerkern ausgeübt. Neben Augsburg war Nürnberg eine der wichtigsten Städte, in denen Blattgold geschlagen wird. Im 16. Jahrhundert wanderten die ersten Goldschläger von Nürnberg nach Schwabach ab. Hier fanden sie ideale Voraussetzungen für ihr Handwerk. Denn für die Herstellung von Blattgold wird ein relativ trockenes Klima benötigt, das in Schwabach durch seine Kessellage und seinen sandigen Untergrund gegeben ist.

Anfang des 20.Jahrhunderts erreichte das Handwerk hier seine Blütezeit, als in rund 130 Betrieben bis zu 1200 Personen beschäftigt waren. Heute existieren noch neun Goldschlägerwerkstätten. Diese Dichte an Goldschlägerwerkstätten ist europaweit einzigartig.

Zurück zu den Dächern des Rathauses: Im Jahre 2001 kauften die Bürger von Schwabach vergoldete Ziegel für 99,00 DM das Stück, mit denen die Dächer der zwei Türme des Rathauses gedeckt wurden. 2000 Ziegel wurden auf diese Art und Weise finanziert. Die Ziegel sind mit 24 karätigem Schwabacher Blattgold belegt, sodass eine Weiterbehandlung nicht nötig war. Fachleute sagen, dass die Dächer mind. 50 Jahre lang so schön glänzen wie heute. Aber nicht nur auf dem Dach des Rathauses, sondern auch im Innern des Hauses wurde das edle Metall verarbeitet. Für den Rathaussaal stiftete die Goldschlägerinnung 14 000 Blatt Gold, der seitdem Goldener Saal genannt wird.

Am Martin-Luther-Platz steht das Denkmal des 1814 in Schwabach geborenen Adoph von Henselts. Er war Komponist und Klaviervirtuose der Spätromantik. Nach seinen Treffen 1836 mit Chopin in Karlsbad folgte eine 4-jährige Konzerttätigkeit als Pianist in deutschen und russischen Musikzentren mit legendärem Erfolg. Die schwindelnde Höhe seine Technik und das Seelenvolle seines Vortrags werden gelobt. Robert Schumann und Franz Liszt sind von seinen Kompositionen begeistert. 1838 wird Adolph Henselt zum kaiserlichen Hofpianisten der Zarin und zum Generalmusikinspektor der kaiserlichen Töchtererziehungsheime in St. Petersburg ernannt. Hier wirkte er die folgenden 40 Jahre als Lehrer in den Musikzentren Russland und gab dem russischen Klaviervirtuosentum wesentliche Impulse und wurde 1876 in den russischen Adelsstand erhoben.

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