Niederhaus – Neresheim (2)

Wir steigen langsam aber stetig bergan, kurz am Waldrand und einen asphaltierten Weg entlang und dann nochmals durch einen Wald. An dessen Ende machen wir Pause, denn die nächsten Kilometer versprechen keinen Schatten und werden daher wohl ziemlich anstrengend. Nicht weit entfernt sehen wir einen Fuchs gemächlich im Feld verschwinden. Keine Wolke schützt vor der Sonne und nur selten spendet ein Baum etwas Schatten, obwohl die Temperatur durch den starken Wind für uns noch erträglich ist, doch Della dürfte dieses kühlende Element fehlen, was man ihr auch durchaus anmerkt.

Kurz müssten wir auf der Straße gehen, doch dann ist erfreulicherweise daneben ein schmaler Pfad gemäht. Vom tiefen Tal steigen wir hinauf zur Wallfahrtskapelle Maria Buch, wo wir uns im Schatten der Bäume erholen und Della im Brunnen ein Bad nimmt.

Über die Entstehung der Kapelle Maria Buch gibt es folgende Legende: Der 30-jährige Krieg hatte viel Not und Elend über die Bevölkerung des Härtsfelds gebracht. Die umliegenden Dörfer wurden vom Kloster Neresheim seelsorgerisch betreut. Dabei hatte Abt Meinrad Denich im Jahr 1663 bei einem Ritt nach Ohmenheim ein besonderes Erlebnis. Vor einer einzeln stehenden Weißbuche blieb sein Pferd stehen und war nicht zum Weitergehen zu bewegen. Nach einigen Versuchen kam dem Abt der Gedanke, es müsse vielleicht etwas Besonderes in der Buche verborgen sein. Bei näherem Schauen entdeckte er einen ziemlich großen Auswuchs, als man diesen öffnete, fand man ein altes Marienbildnis aus Ton im Innern der Buche. Dies wurde als himmlisches Zeichen gedeutet und das Volk pilgerte nun zu dieser Buche mit dem Gnadenbild, um Gottes Hilfe aus allerlei Not zu erbitten.

Es wurde zunächst eine schlichte Kapelle errichtet, da jedoch Tausende von Wallfahrern jährlich an den Gnadenort kamen, wurde Jahr 1711 eine größere Kirche erbaut – mit einer Länge von 37 m, zwei Türmen und einem Mesnerhaus. Die Buche war in Bau integriert und ragte über das Kirchendach hinaus. Im Franzosenkrieg unter Napoleon, nach der Schlacht bei Neresheim im Jahr 1796 wurde diese Kirche ein Raub der Flammen. Später entstand dann wieder eine bescheidene Kapelle und im Jahr 1889 wurde die jetzige Kapelle gebaut.

Auf dem Waldweg zum Kloster Neresheim finden wir mehrere Exemplare des seltenen roten Waldvögeleins. Diese Orchidee gehört zur Familie der Knabenkrautgewächse, ist geschützt und blüht von Mai bis Juli. Im Klosterareal stellen wir fest, dass einige Gebäude seit unserem letzten Besuch restauriert worden waren und wir beobachten eine mit Lautsprecher unterstützte, kleine Gruppe auf der Prozession nach Maria Buch.

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