Giengen – Lonetal (1)

„Ein feines, lustiges Reichsstädtchen…, hat ein stattliches Spital“ – so kennzeichnet Zeiller-Merian in seinem Itinerarium Germaniae 1632 das alte Giengen. Alemannengräber im nördlichen Stadtgebiet geben Kunde davon, dass die Siedlung Giengen bis in die Merowingerzeit zurückreicht. Mit nur 1800 Einwohnern in der Blütezeit reichsstädtischer Selbstständigkeit gehörte Giengen mit Isny, Aalen, Bopfingen zu den kleinsten reichsunmittelbaren Städten des Schwabenlandes. Sein wirtschaftliches Gedeihen beruhte zum Teil darauf, dass es wahrscheinlich schon seit dem 11. Jahrhundert eine königliche Pfalz war, die unter den staufischen Kaisern zu Bedeutung gelangte. Giengen erhielt 1171 vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa das Stadtrecht und wurde 1368 zur freien Reichsstadt. Die rasch erblühende freie Reichsstadt wurde 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen niedergebrannt.

Im 19. Jahrhundert blühte das wirtschaftliche Leben auf mit der Gründung der Württembergischen Wollfilzmanufaktur und der von Margarete Steiff ins Leben gerufenen Plüschtier- und Puppenfabrik, deren Produkte bald Weltberühmtheit erlangten. Margarete Steiff wurde 1847 in Giengen geboren, im Alter von 2 Jahren wurde sie durch Polio an beiden Beinen gelähmt, auch die rechte Hand blieb geschwächt. Doch sie lernte nähen, hierzu verwendete sie den hier hergestellten Wollfilz für Kleidung und Haushaltswäsche, die sie ab 1877 in einem Filzkonfektionsgeschäft vertrieb. 1880 hatte sie die Idee einen Elefanten aus Filz herzustellen, der bald reißenden Absatz fand. Später kamen andere Tiere, wie Esel, Pferd und Schwein hinzu. Ihr Neffe Richard Steiff kreierte 1902 einen Bären aus zotteligem Mohair, der wenige Monate später auf der Leipziger Messe zunächst nur wenig Interesse fand. Ein Käufer aus Amerika orderte jedoch kurz vor Messeschluss noch 3000 Spielzeugbären. Jenseits des Großen Teiches wurde der Steiff-Bär rasch zur Kultfigur, hatte er doch eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem kleinen Bären, den der leidenschaftliche Jäger und US-Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt verschont hatte und der jetzt in Roosevelt-Karikaturen als ständiger Begleiter des Präsidenten vorkam. Damit begannen der Siegeszug des „Teddy-Bären“ und damit die Entwicklung der Firma Steiff zum Großunternehmen. Der Bärenkopf wurde nun zum Markenzeichen, das auch als „Knopf im Ohr“ Verwendung fand. Die Firmengründerin Margarete Steiff starb 1909.

Steiffmuseum Giengen

In der Fußgängerzone begegnen uns die ersten Bären an der Wand oder auf Pfosten und in der Marktstraße ist für uns ein roter Teppich ausgelegt, na ja, vielleicht auch, weil an diesem Wochenende Steiff sein Sommerfest feiert. Das nicht nur für Kinder sehenswerte Museum „Die Welt von Steiff“, wurde als moderner Rundbau 2005 erbaut. Das Museum mit Erlebnischarakter und Schaufertigung zeigt auf einer Fläche von 2400 qm die 125-jährige Geschichte der Steifftiere.

Wir besuchen noch kurz den kleinen Skulpturenpark an der alten Stadtmauer, dessen 9 Skulpturen im Jahre 2004 gefertigt und aufgestellt wurden. Wir grübeln über den Spruch auf einer Tafel an einem alten Haus nach:

recht schaffen,

rechtschaffen,

Recht schaffen.

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