Giengen – Lonetal (2)

Da wir in der Stadt natürlich nicht auf die Muschelzeichen geachtet haben, verlassen wir die Stadt auf dem Albrandweg und treffen erst auf der Albhochfläche wieder auf den Jakobusweg. Bald senkt sich unser schattenloser Asphaltweg ins Hürbetal und zum gleichnamigen Ort Hürben. Dabei treffen wir auf das Jakobswegle, auf dem die wichtigsten Stationen bis Santiago di Compostella auf wenigen Kilometern zu erwandern sind. Auch hier ist noch der frische, manchmal böige Wind zu spüren. Vorbei an der letzten Häuserreihe erreichen wir bald den Waldrand und Della badet in der Hürbe. Auf Höhe der Charlottenhöhle wechseln wir die Talseite und verlassen erneut unseren vorgegeben Weg. Vorbei am Höhlenhaus steigen wir dann den Zeitenweg hoch zur 1893 entdeckten Charlottenhöhle, mit 532 ist sie eine der längsten Tropfsteinhöhlen Süddeutschlands und sie wurde nach der zweiten Frau des württembergischen Königs Wilhelm II benannt.

Leider reicht die Zeit nicht für einen Besuch, stattdessen gehen wir weiter aufwärts zur bewaldeten Hochfläche und dann etwas abwärts zur Kaltenburg, die sich über dem Zusammenfluss von Lone und Hürbe erhebt. Die vermutliche Stammburg des Reichsgrafen Heinrich von Kalden wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Außer einigen Mauerresten blieben nur die beiden sanierten Vierecktürme erhalten. Die von Pyramidendächern bekrönten verputzten Turmbauten gelten als Wahrzeichen der Burg und prägen die Ansicht aus dem Tal.

Wir steigen bis ins Lonetal ab, durchqueren das Tal – Della hat es wieder gut, denn die Lone führt noch Wasser. Kurz noch am Waldrand und dann steigen wir auf sehr sonnigen Waldsträßchen hinauf zum Bettelmannsgrab, wo mir Ingrid die dort aufgeschriebenen Sprüche vorliest. Ein Naturpfad führt uns zu einer eisernen Brunnenpumpe vorbei, allerdings bringt auch die intensive Nutzung des Brunnenschlegels kein Wasser hervor, doch Della findet die einige Meter tiefer liegende Quelle. Wir stärken uns derweil mit sonnenwarmen Himbeeren. Kurz vor Stetten wird es dann sonnig und heiß, auch der Besuch in der Kirche bringt nur eine kurze Erfrischung, zumal der Weg auch nach Stetten bis zum Waldrand sonnig bleibt.

Stetten war eine Ausbausiedlung der Merowingerzeit, von 1637 an im Besitz der Herren von Riedheim zu Kaltenburg, 1821 kam der Ort an die Grafen von Maldeghem. Das Schloss und die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt bilden eine Einheit. Schloss Stetten wurde 1583 von der Familie von Riedheim erbaut und 1712 barock umgestaltet, als bewohnter Privatbesitz kann es nicht besichtigt werden. Direkt neben dem Schloss befindet sich die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt von 1733. Im barocken Deckenfresko tummeln sich viele Putten. Ein Putto zeigt sein bloßes Hinterteil – geradewegs in die Richtung, in der der Graf zu sitzen pflegte. Es war die Rache der Bauleute, die sich über geringe und säumige Lohnzahlungen ärgerten.

Nahe bei Stetten liegt die Vogelherdhöhle, sie war, was die Funde betrifft, die reichste Höhe des Lonetals. In 11 Schichten sind viele Tierreste nachgewiesen, darunter verschiedene Wildpferd-, Wildrind-, Elefanten- und Fuchsarten. Weltberühmtheit erlangte die Vogelherdhöhle durch Tierfiguren aus Mammut-Elfenbein (Lonetalpferd), die Gustav Riek hier 1931 ausgegraben hat. Sie sind nach neuesten Forschungen vor etwa 40 000 Jahren angefertigt worden und gehören damit zu den ältesten bislang bekannten kunsthandwerklichen Gegenständen der Erde. Allerdings führt der Jakobusweg nicht daran vorbei.

Zunächst am Waldrand und dann durch den Wald gehen wir in Richtung Lindenau. Nach einer etwas längeren Pause steigen wir – abweichend vom Jakobusweg und das Örtchen links liegen lassend – wieder ins Lonetal hinunter. Meine Warnung, es könnte problematisch werden, auf der westlichen Talseite ohne Weg im Schatten zu gehen, hält Ingrid für unbegründet. Doch bereits nach wenigen Metern kommt die Lone ganz nahe an den Berg und den Wald heran und wir müssen uns durch hohes Gras, Disteln und vor allem Brennnesseln unseren Weg bahnen. Manchmal hat es den Anschein, als ginge es nicht weiter, aber irgendwie schaffen wir es doch und nach ca. 200 m können wir auf einer gemähten Wiese bequem gehen. Das Lonetal ist eines der natur- und kulturhistorisch interessantesten Täler der schwäbischen Alb mit einer Vielzahl von Höhlen.

Dann sehen wir den Parkplatz mit unserem Auto schon ganz nahe vor uns, allerdings führt nur eine nicht sehr tiefe Furt durch die Lone, aber die Betonfläche im Wasser sieht rutschig aus und so müssen wir bis zur Straßenbrücke gehen, doch die ist viel weiter entfernt als gedacht. Wir fahren zurück nach Giengen und ich mit Della nach Hause, denn in der Hitze wäre ein Stadtbummel nichts für sie und im Auto können wir sie unmöglich lassen. Ingrid schaut sich aber noch im Städtchen und bei Steiff um.

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