Niesky – Rietschen

Das verlassene(?) Kitz

Wir starten gegen 11 Uhr am Busbahnhof in Niesky, den Stadtkern wollen wir heute Abend besichtigen. Zunächst müssen wir bis zum nächsten Bahnübergang gehen und dann fast die gleiche Strecke auf der anderen Seite der Gleise zurück. Durch eine Vorortsiedlung und eine kurze Wiesenfläche kommen wir in einen Kiefernwald, der uns fast den ganzen Tag begleiten wird. Auf der sogenannten Hauptlinie geht es schnurgerade durch den Wald. An einem breiten Querweg kommt Ingrid auf die Idee, diesem kurz nach Osten zu folgen, um einen kleinen Teich zu gelangen, den wir dann doch nicht erreichen. Scheinbar sind nicht alle Wege in Ingrids Karten verzeichnet und so ist nicht ganz klar, wo wir uns genau befinden. Trotzdem kommen wir genau dort heraus, wo Ingrid es wollte, nämlich zwischen zwei größeren Teichen.

In Trebus gehen wir – nicht ohne Grummeln meinerseits – weiter auf der Straße nach Osten, um zwischen weiteren Teichen kreuz und quer zu wandern. Wir lassen uns auch von einem Verbotsschild nicht abhalten, allerdings wagen wir es nicht, dort zu rasten. Endlich sind wir wieder im Wald. Als wir uns nach einem Rastplatz umsehen, hören wir ein lautes Schreien. Zuerst schauen wir nach oben in die Bäume, welcher Vogel das sein könnte. Doch dann klingt es wie vom Boden kommend. Wir schauen uns um und entdecken 194 bambiein winzigkleines Rehkitz, das nach der Mama schreit. Ohne näher zu kommen, versuchen wir, das Bambi fotografieren, gehen dann 200 m weiter, aber sodass wir noch hinübersehen können, ob die Muttergeiß erscheint, was aber nicht der Fall ist.

Jetzt wird es hektisch, denn Ingrid versucht, den zuständigen Förster zu finden. Doch alle Versuche scheitern zunächst, zumal die Telefonverbindung öfter zusammenbricht und bei der schlechten Netzlage versagt auch das Smartphone seinen Dienst. Kurz essen wir eine Kleinigkeit und setzen uns einige Minuten ins Gras.

Dann gehen wir vorsichtig zurück, das Kitz liegt in einer kleinen Mulde und schläft ganz ruhig. Endlich erreichen wir die zuständige Polizei, doch der Beamte wiegelt ab, verspricht aber doch den zuständigen Jagdpächter zu informieren. Allerdings klingt dies in Ingrids Ohren nicht besonders überzeugend. Um sich zu informieren, ruft Ingrid unseren Nachbarn an, dessen Ehefrau und Sohn Jäger sind. Der erzählt ihr, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass das Muttertier sein Kitz einige Stunden zurücklässt. Das beruhigt Ingrid, aber noch nicht ganz. Also ruft sie bei ihrer Freundin an, die soll im Internet surfen und versuchen, die Nummer des nächsten Forstamts ausfindig zu machen.

Wir gehen weiter und sind für einige Minuten im Funkloch. Als das Telefon wieder funktioniert, erhält Ingrid von ihrer Freundin eine Tel. Nummer, die zwar überholt ist, allerdings bekommt Ingrid dort die Nummer eines Forstamts. Die Mitarbeiterin beruhigt Ingrid, dass das Verhalten der Rehgeiß wirklich nichts Ungewöhnliches sei. Mit dem Vorsatz am Abend nachzuschauen, ob das Kitz noch verlassen ist, gehen wir weiter.

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