Archiv der Kategorie: Nürnberg-Bodensee

Laupheim – Maselheim (2)

Dann geht es hinunter in das breite Risstal und nach einem nicht ganz geglückten Versuch einen neben einer Straße verlaufenden Radweg zu vermeiden, müssen wir doch noch kurz darauf gehen, dann durchqueren wir ein Wald-, Wiesen- und Feldgebiet, das nur noch leichte Anklänge an die moorige Vergangenheit zeigt. Es ist überwiegend sonnig, aber der Ostwind ist noch ziemlich frisch. In Äpfingen warten wir noch kurz, um ein Hochzeitspaar zu sehen, das von Motorradfahrern begleitet wird und in einem Oldtimer-Mercedes vorfährt. Da wir noch Zeit haben, bis die Öchlesbahn kommt, schlägt Ingrid vor, nach Maselheim zu wandern, um nicht hier warten zu müssen und auch länger mit der Öchslebahn fahren zu können.

Die sogenannte Öchslebahn führt über 19 km von Ochsenhausen nach Warthausen. Es handelt sich um eine Schmalspurbahn mit einer Spurbreite von 750 mm, die von 1899 bis 1964 betrieben wurde, damals allerdings ging die Strecke bis Biberach. Nachdem 1985 ein erster kurzzeitiger Betrieb der Museumsbahn gescheitert war, besteht seit 1996 ein regelmäßiger Museumsbahnbetrieb.

Früh kommen wir in Maselheim an. Leider finden wir auf dem hübschen kleinen Bahnhof keinen Hinweis, ob und wann ein Zug hier fährt. Aber da wir in Äpfingen den Zug nach Ochsenhausen noch haben Läuten und Pfeifen hören, sind wir zuversichtlich und bald hören wir das uns von Insel Rügen wohlbekannte, schnaubende Geräusch. Doch es dauert noch lange, bis der Zug endlich in den Bahnhof schnauft. Dann geht es langsam zuckelnd nach Warthausen, der Zug hat dort leider ziemlich Verspätung und so reicht die schon vorher knappe Zeit nicht mehr, um das dortige Knopfmuseum anzusehen. Während wir überlegen, was wir tun sollen und dann im Café einkehren kommt die Hochzeitsgesellschaft aus Äpfingen hier an, um die Hochzeitsfeier in einem der Restaurants abzuhalten. mit der Deutschen Bahn fahren wir nach Laupheim zu unserem Auto..

Laupheim – Maselheim (1)

Bei der Planung der Rückkehrmöglichkeiten vom End- zum Ausgangspunkt hat Ingrid festgestellt, dass wir dazu die Öchsle-Schmalspurdampfeisenbahn benutzen können und um möglichst lange damit fahren zu können, hat sie einfach unsere Wanderstrecke mal wieder umgelegt und verlängert, doch der Reihe nach.

Zuerst haben wir Probleme von der Schnellstraße zum Laupheimer Bahnhof West zu kommen, doch dann können wir ganz in der Nähe unser Auto abstellen, unterqueren die Gleise und gehen direkt nach Untersulmetingen und lassen die Kirche im Norden weit rechts liegen. Interessant ist im Ort die mit dem Rathaus zusammengebaute Schlosskapelle St., Otmar, wobei der spätgotische Kirchturm aus dem Rathaus herauszuwachsen scheint. Die zahlreichen Renovierungen der Kirche haben nur die Beweinungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert und die Hochaltarmadonna sowie der Stuckzierat an der Decke des Altarraumes überstanden.

Auf dem daneben stehenden Schloss sehen wir trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit noch ein Storch in seinem Nest, er ist wahrscheinlich zu faul, in den Süden zu fliegen und will wohl hier in Oberschwaben überwintern. Nach einigen Irrungen finden wir den Weg an die Riss und folgen dem Fluss nach Obersulmetingen.

Das Wahrzeichen Obersulmetingen ist das Barockschloss von 1725-1772, mit integrierter Schlosskirche und Rathaus, das alte Schloss an gleicher Stelle wurde 1652 durch Blitzschlag eingeäschert, reizvoll auch die ungewöhnliche Sonnenuhr.

Da der Muschelweg entlang eines Neubaugebiets weiter verläuft, übersehen wir fast den nicht markierten Abzweig in Richtung Schemmerberg, wo der gotische Kirchturm auf einer Anhöhe schon von Weitem grüßt. Auf einer, speziell für Jakobspilger aufgestellten Bank, rasten wir, nachdem wir nacheinander die Kirche St. Martin besichtigt habe. Sie weist Stilelemente der späteren Gotik auf, die Fundamente sind wohl vorromanisch, im Innern findet man noch Kunstschätze aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Erbach – Laupheim (2)

Danach verlassen wir den Jacobusweg, der die nächsten 10 km auf bzw. neben Straßen verläuft, und wandern mit schönen Ausblicken ins Tal nach Öpfingen. Wie die Autos müssen wir eine Umleitung akzeptieren und steigen dann hinab zur Donau. Wir haben hier und auch auf dem Weg nach Rißtissen einen schönen Rückblick auf die auf einem Hang stehende, vor wenigen Jahren umfassend renovierte Kirche St. Martin, erstmals erwähnt 1275 mit gotischem Chor und der Barockisierung von 1708.

Wir durchqueren Rißtissen, wenige hundert Meter danach soll der Jacobusweg laut Karte anders verlaufen als auf der im Wanderführer beschriebenen Straße. Wir finden auch den Weg, der ist aber nicht ausgeschildert, folgen diesem zum Wald, wenden uns kurz nach links, doch es gibt keinen Weg durch den Wald und auch keine Möglichkeit einen kleinen Bach zu überqueren. So kehren wir am Wald entlang zur Straße zurück und gehen auf dieser durchaus befahrenen Straße zunächst weiter.

Wir nutzen die erste Gelegenheit, die Straße zu verlassen und folgen einem Waldweg nach Osten, später wenden wir uns nach Süden, als wir nicht weiterkommen, nochmals nach Osten und wir versuchen dann wieder, südwärts durchzukommen, was aber fast unmöglich ist. Trotzdem erreichen wir den Waldrand, können ein Bächlein überqueren und wandern in Richtung Untersulmetingen. Vor dem Ort folgen wir einem Wanderweg Richtung Laupheim, Della ist müde und auf den asphaltierten Wegen macht es ihr keinen Spaß, daher nehme ich Sie immer wieder auf den Arm und trage sie ein Stück, denn wir wollen versuchen, den nächsten Zug noch zu erreichen. Nachdem es den ganzen Tag Sonne und Wolken gegeben hatte, verdunkelt sich der Himmel und es beginnt zu regnen, aber es bleibt in einem noch erträglichen Rahmen.

Nur wenige Minuten vor Abfahrt des Zuges erreichen wir den Bahnhof, allerdings sehe ich keinen Fahrbahnautomaten. Obwohl man nur mit gültiger Fahrkarte einsteigen darf, tun wir es trotzdem und fahren gezwungenermaßen schwarz nach Erbach.

Erbach – Laupheim (1)

Ingrid erkundigt sich auf der Fahrt mit dem Handy bei der Bahn nach den entsprechenden Verbindungen, denn eigentlich war heute eine andere Strecke geplant. Doch die erste Auskunft, alle 20 bzw. 30 min verkehre ein Zug klang ebenso unglaubwürdig wie die 2. Aussage, nur alle 2 Stunden sei ein Anschluss möglich. Erst der 3. Anruf bringt Klarheit, in Laupheim fährt so ungefähr alle Stunde ein Zug, in Schemmerberg – einer möglichen Alternative – nur alle 2 Stunden, wieder ein Beweis für die häufig zu beklagende mangelnde Qualität von Hotlines.

In Erbach suchen wir die Zufahrt zum Bahnhof lange vergebens. Dann wandern wir vom Bahnhof nach Norden, überqueren wir die Bundesstraße und gehen zuerst zwischen Häusern, dann durchs freie Feld hinauf zum Schloss Erbach, in dem ein heute ein Restaurant und die Theaterei untergebracht sind. Das Erbacher Schloss wurde 1550 unter Hans von Baumgarten im Stil der Renaissance errichtet und wird heute noch von den Nachfahren des damaligen Reichsvizekanzlers Hans Ludwig von Ulm bewohnt.

Vor der Kirche steht eine große Glocke aus Apolda und wir schauen weit hinaus ins Donautal. An der Hangkante geht es weiter und auf dem Totenweg erreichen wir Donaurieden. Wieder steigen wir zur Hangkante hinauf und dann senkt sich der Weg ins idyllische Oberdischingen. Der urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert erwähnte Ort hat den Charakter einer kleinen herrschaftlichen Residenz bewahrt, obwohl das Schloss vor 200 Jahren abgebrannt ist und nicht wieder aufgebaut wurde, doch der barocke Kanzleibau lässt immer noch die frühere Pracht erahnen.

Vor der klassizistischen katholischen Stadtpfarrkirche „Zum heiligsten Namen Jesu“ von 1804, auch schwäbisches Pantheon genannt, machen wir Rast und sehen nach und nach Hochzeitsgäste eintreffen, doch so lange zu warten, bis das Brautpaar kommt, können wir nicht. Vorher schauen wir aber noch ins Kircheninnere, in dem vier Säulenpaare die mächtige Kuppel tragen. Am Ortsende treffen wir auf den Jakobusbrunnen bei der Wallfahrtskirche zur allerheiligsten Dreifaltigkeit, auch Käppele genannt und dem Cursillo Haus St. Jakob.

Neresheim – Nietheim (3)

Als wir auf ein schmales Sträßchen treffen, zeigen die Wanderzeichen (Albvereinsweg und Jakobusweg) nach rechts und führen nach wenigen Metern auf einem Kiesweg nach links. Wir folgen aber dem Weg wie er in der Karte verzeichnet ist und können auf einem leicht zugewachsenen Naturpfad angenehm weiterwandern, teilweise in Waldrandnähe und mit leicht sonnigen Abschnitten. Wir fragen uns, was zum Teufel die Wegfestleger geritten hat, um diesen herrlichen Wanderweg gegen einen breiten Kiesweg zu tauschen und obendrein noch eine längere Strecke auf der Straße zu wandern.

Auf dieser Straße, die heute wegen eines Flughafenfests in Elchingen stark befahrenen Straße geht es hinab und dann meist in Ortsrandlage von Großkuchen bergauf, durch die Felder erreichen wir auf geteertem Weg den Wald. Steil geht es dort hinauf und da uns die Autobahn den Weg versperrt, müssen wir auf einem Sträßchen nach Süden wandern und auf der Autobrücke überqueren wir die Autobahn.

Nicht ganz ungefährlich, da die Autos und Motorräder hier einen ziemlichen Zahn vorlegen, aber wir haben Glück, die Raser haben gerade Pause und so gelangen wir unversehrt nach Nietheim, wo Ingrids Auto wartet, das uns zum Saab nach Neresheim zurückbringt.

Ulm (Messe) – Erbach (2)

Nochmals steigen wir kurz auf die Stadtmauer an der Donau, verlassen diese vor den Bahngleisen wieder nach rechts, machen in einem kleinen Park Pause und gehen über die Zinglerbrücke zu einer stark befahrenen Straße, überqueren diese und durch eine weitere kleine Parkanlage und eine Nebenstraße kommen wir vorbei an einer Schrebergartensiedlung zum Fort unterer Kuhberg, in das heute eine moderne Walddorfschule integriert ist. Auf einem Hangweg wandern wir oberhalb des Donautals mit einem schönen Ausblick auf das Kloster Wiblingen.

Wir erreichen mit dem Fort Oberer Kuhberg einen Teil der Bundesfestung Ulm. Diese wurde zwischen 1842 und 1867 um die Stadt gebaut und umfasste mehrere Forts, einen 9 km langen Festungsgürtel mit 41 Hauptwerken, drei Haupttoren, etlichen Vorwerken sowie die auf dem rechten Donauufer angelegt, heute bayerische Stadt Neu-Ulm. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die nie umkämpfte Festung militärisch bedeutungslos. Im Fort Oberer Kuhberg war im Dritten Reich ein Konzentrationslager eingerichtet, an das heute eine Gedenkstätte erinnert.

Da der Weg nicht eindeutig ausgeschildert ist, umrunden wir das Fort und müssen dann kurz einer Straße folgen, ehe wir kurz nochmals an der Hangkante entlang gehen, dann steigen wir gemeinsam mit dem Hauptwanderweg 2 des schwäbischen Albvereins zur Hochfläche. Dabei kommen uns Erinnerungen an die erste größere Wanderung, die uns vor 25 Jahren auch hier entlang geführt hatte. Bald verlassen wir diesen Wanderweg wieder und steigen nach Grimmelfingen ab. Durch einen schmalen Pfad zwischen Gartengrundstücken kommen wir zu dem Weg nach Einsingen.

Bisher ist es ganz angenehm zu wandern, angenehme Temperaturen und meist mehr Sonne als Wolken, nur ganz zu Anfang war es etwas kühl und windig. Doch auf dem freien Feld in Richtung Erbach brennt die Sonne schon intensiver und nach einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass wir den nächsten Zug noch erreichen könnten, allerdings müssen wir Della dann in den Rucksack packen.

Gesagt, getan, 2 min vor Abfahrt des Zuges sind wir auf dem Bahnsteig und während wir noch am Automat schauen, was eine Fahrkarte kostet, fährt der Schienenbus ein und wir steigen ohne Fahrkarte ein, denn 75 min auf den nächsten Zug zu warten, um die Fahrkarten lösen zu können, ist dann doch zu viel. Glücklicherweise werden wir nicht kontrolliert.

In Ulm gehen wir auf kürzestem Weg zum Fischerviertel, um im Pfannkuchenhaus zu essen. Die Wolken von Westen werden immer dunkler, aber da die Sonnenschirme ziemlich robust aussehen, wollen wir im Biergarten bleiben. Als das Essen kommt, kommt auch der Regen, aber da wir etwas enger zusammenrücken, bleiben wir vom ihm verschont.

Nach dem Essen regnet es immer noch stark, daher beschließen wir nicht zum Bahnhof zu gehen und mit der Straßenbahn zur Donauhalle zu fahren, sondern lassen uns mit dem Taxi zum Auto bringen, wobei der Fahrer Della zunächst nicht mitnehmen will, aber es dann doch tut. Auf der Rückfahrt hört es kurz vor Heidenheim auf zu regnen und in zu Hause war alles trocken.

Ulm (Messe) – Erbach (1)

Ulm (Messe) – Erbach

Auf der Fahrt nach Ulm holen wir zuerst Marion und Jörg ab, die uns bei unserer heutigen Tour begleiten. Am entferntesten Messeparkplatz stellen wir unser Auto ab. Wir gehen zunächst oberhalb der Donau auf dem Uferweg, nach dem Messegelände machen wir einen kurzen Abstecher in die parkähnlichen Donauauen, ehe wir dann das Zentrum Ulms, der alten Reichsstadt am linken Ufer der Donau, erreichen.

Ulm ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des württembergischen Oberlandes. Funde deuten auf eine jungsteinzeitliche Besiedlung im Stadtgebiet hin. Die Anfänge der Stadtgründung legen vermutlich im 11. Jahrhundert, dank der günstigen Verkehrslage an der Donau und am Schnittpunkt wichtiger Straßen entwickelte sich die Stadt im Mittelalter zu einem Handelszentrum. Im 30-jährigen Krieg verlor Ulm seine wirtschaftliche und politische Macht und kam nach wechselnden Herrschaften 1810 zu Württemberg. Der Astronom Kepler lebte und arbeitete in Ulm, Albrecht Berblinger, der „Schneider von Ulm“, der als erster Mensch fliegen wollte, war hier zu Hause. Albert Einstein wurde in Ulm geboren und der Dominikanermönch Felix Fabri, ein bedeutender Pilger des Mittelalters lebte hier. Er hat 1492 die „Sionspilgerin“ verfasst, eine mit Gebetsbetrachtungen durchsetzte Pilgerfahrt im Geiste, die die Pilgerfahrt nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela beschreibt.

Wir wandern auf der Stadtmauer entlang und schauen hinüber zur Altstadt, ehe wir in das überaus malerische und mit Sachkenntnis restaurierte Fischer- und Gerberviertel an der Blau gelangen. Beeindruckend ist das Hotel „Schiefes Haus“ aus dem 15./16. Jahrhundert, das in mittelalterlichem, angeblattetem Fachwerk auf Stützen in die Blau vorgebaut ist. Es handelt sich um eines der ältesten Fachwerkwohnhäuser der Stadt und wurde vor einigen Jahren sorgfältig restauriert, nachdem es zuvor in einem sehr schlechten Zustand war, wie wir anhand älterer eigener Fotos wissen.

Leicht ansteigend erreichen wir nach wenigen Metern das gotische Rathaus und die moderne Bibliothek. Das Rathaus ist das bedeutendste profane Baudenkmal Ulms und eines der schönsten in Süddeutschland. 1370 als Kaufhaus errichtet, wird das Gebäude seit 1419 als Rathaus genutzt. Die prachtvollen Wandmalereien und der reiche figürliche Schmuck stammen aus dem 16. Jahrhundert, u.a. ist ein Bild eines der von Ulmer Schiffleuten gebauten und regelmäßig donauabwärts geführten Ulmer Schachtel zu sehen. Am Ostgiebel des Rathauses ist eine kunstvolle astronomische Uhr von 1520 angebracht.

Immer wieder überrascht in Ulm das gekonnte Zusammenspiel von Historischen und Modernem. Denn in direkter Nachbarschaft zum Rathaus steht die ganz moderne, im Jahre 2005 erbaute Neue Stadtbibliothek. Der 28 x 28 m große pyramidenartige Bau des Kölner Architekten Gottfried Böhm hat eine Höhe von 36 m, herausragendes Merkmal sind jedoch die fast komplett aus Glas bestehenden, fast 5000 qm großen Pyramidenflächen.

Unweit des Marktplatzes erhebt sich am Münsterplatz das Wahrzeichen Ulms. Das Ulmer Münster wurde 1377 begonnen, dann bis 1529 fortgeführt und erst von 1844-1890 fertig gestellt, beteiligt waren so bedeutende Baumeistersippen wie die Parler, Ensinger und Böblinger. Das Münster ist nach dem Kölner Dom die größte gotische Kirche Deutschlands. Der hochragende Turm, unter Ulrich von Ensingen 1392 begonnen, 1880 bis 1890 vollendet, ist mit 161,5 m Höhe der höchste Kirchturm der Welt und damit gut 4 m höher als der Kölner Dom. Gut trainierte Besucher können bis zur Kranzgalerie (143 m) hochsteigen und dann als Lohn für die Mühe einen herrlichen Rundblick genießen, doch auf einer Wanderung bleibt dafür keine Zeit. Neben dem Münster sieht man als postmoderner Blickfang das 1993 fertig gestellte, leuchtend weiße Stadthaus des amerikanischen Architekten Richard Meier. Es umfasst u.a. einen Konzert- und Vortragssaal sowie Ausstellungsräume mit einer gesamten Nutzfläche von 3000 qm.

Osterstetten – Ulm (Messe)

Wieder haben wir uns vom Wetterbericht irreführen lassen, morgens wolkig, ab Nachmittag heiter. Morgens herrlicher Sonnenschein, nachmittags bewölkt, sogar teilweise mit Regen, so wird es tatsächlich. Schon kurz nach dem Start der erste unfreiwillige Stopp, denn ein Hofhund verteidigt laut bellend sein Revier und es dauert einige Minuten, bis er hereingerufen wird. Über einen asphaltierten Feldweg kommen wir nach Albeck, wo Ingrid die Jakobuskirche besichtigt und nachdem sie auf den Pilgerweg angesprochen wird, trägt sie sich in das aufliegende Pilger-Gästebuch ein.

Kurz entlang der Straße und dann durch Felder weiter. Die Wegbeschilderung ist meist sehr gut, neben den Schildchen ist die Wanderstrecke an Wegkreuzungen durch einen aufgemalten gelben Pfeil gekennzeichnet oder an Büschen und Bäumen hängen die gelben Plastikbänder als Wegweiser, wie auch in diesem Bereich. Nachdem sich Della an einem schönen Bächlein erfrischt hat, steigen wir hinauf zu einer Waldecke, die aber keinen Schatten bringt und sofort geht es durch Felder weiter. Wir überqueren die Autobahn und endlich bringt der Waldrand Schatten, ehe wir die um 1100 gegründete Klosteranlage des ehemaligen Benediktinerklosters Oberelchingen auf dem Heiligen Berg erreichen.

Die ehemalige Klosterkirche, jetzt Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, geht im Kern auf eine romanische Basilika des Jahres 1146 zurück. Dieser Bau nach Art der Hirsauer Reformkirchen war eine dreischiffige, flach gedeckte Pfeilerbasilika. Der Innenraum, eine Einheit von Rokoko und Frühklassizismus, beeindruckt durch das strahlende Weiß, die Gold- und Ockertöne. Wir bewundern die Deckengemälde von Januarius Zick und Joseph Dossenberger. An den mächtigen Säulen des Hochaltars, dem Thronsitz Gottes – in Gold-Weiß – stehen vier überlebensgroßen Heiligenstatuen (Benedikt, Scholastika, Petrus und Paulus) des Dillinger Johann Michael Fischer. Das Altarbild mit einer Mariendarstellung von 1785 stammt vom Hofmaler Zick.

Nach der Besichtigung gehen wir am Waldrand auf schönen Naturweg weiter. Della spielt kurz mit zwei winzigen Yorkshire-Terrier und dann müssen wir wieder über die offene Hochfläche wandern und bald neigt sich der Weg nach Thalfingen ins Donautal hinunter. Hier erleben wir die Faszination des Unscheinbaren und Unverhofften.

Denn von außen wirkt die Kirche St. Laurentius unscheinbar und kaum eines touristischen Besuches wert. Doch im Innern stellt die 1751 – 52 völlig im Rokokostil umgebaute Kirche durch Stuckaturen aus der Wessobrunner Schule ein besonderes Schmuckstück dar, zu der auch der Gemäldezyklus des Joseph Wannenmacher, der auch die Klosterkirche Elchingen ausgemalt hatte, beiträgt.

Endlos zieht sich der Ort noch hin, dann erreichen wir den Wald und gehen etwas höher als Eisenbahn, Straße und Donau nach Westen. Kurz machen wir Pause, fotografieren einige Aronstäbe und kommen an einem plätschernden kleinen Bächlein vorbei.

Wir beeilen wir sehr, denn wir wollen noch rechtzeitig in Heidenheim, wo am Rathaus die teilnehmenden Autos einer Oldtimer-Rallye vorgestellt werden sollen, doch leider fahren die Oldtimer ohne Halt und Präsentation einfach durch.

Lonetal – Osterstetten

Obwohl es morgens noch wolkig ist, begrüßt uns gegen 8 Uhr zu Wanderbeginn im Lonetal bereits ungetrübter blauer Himmel. Da die Lone trotz der Hitzewelle immer noch Wasser führt, kann Della mehrmals baden.

Zuerst gehen wir noch in der Sonne, dann verlassen wir am östlichen Waldrand durch nasses Gras das Tal und steigen empor, um wenig später in Richtung Sätzlingen abzusteigen, vor dem Ort wenden wir uns nach Westen und durch Felder gehen wir parallel zur Straße wieder bergauf.

Da der Muschelweg nur durch offene Felder, überwiegend auf asphaltierten Wegen oder Straßen verläuft, wandern wir auch weiterhin eine eigene Route, kommen erneut ins Lonetal hinunter und unterqueren die Autobahnbrücke. In der Karte ist eindeutig ein Weg eingezeichnet und wir können ihn auch noch erahnen, doch immer wieder stellen sich Disteln und vor allem Brennnessel entgegen, bald müssen wir kurzfristig am Rande einer Wiese weitergehen, die gerade gemäht wird.

Dann führt ein geteerter Weg an einer Stelle in den Wald, wo laut Karte gar kein Weg verzeichnet ist, wir gehen kurz zurück, um die Lone zu queren. Doch es gibt nur eine Furt und glücklicherweise verzichten wir, diese zu benutzen, denn der Waldweg führt uns nach kurzem Anstieg bald wieder ins Lonetal hinunter. Romantisch geht es an der Lone und an schönen Jurafelsen weiter, bis wir zum Felsen „Fohlenhaus“ kommen, wo wir am direkt am Flüsschen Rast machen. Hier finden wir im Frühjahr große Märzenbecherflächen.

An der nächsten Kurve soll uns ein Weg auf die Hochfläche bringen, auch dieser Weg ist mehr zu erahnen als zu erkennen, mal müssen wir in den Wald ausweichen und dann einen Querweg benützen, schließlich treffen wir aber dann doch wieder auf den Muschelweg. Kurz geht es noch im Wald weiter, dann über freies und sonniges Gelände bis nach Osterstetten, wo uns ein aufgeheiztes Auto erwartet.

Giengen – Lonetal (2)

Da wir in der Stadt natürlich nicht auf die Muschelzeichen geachtet haben, verlassen wir die Stadt auf dem Albrandweg und treffen erst auf der Albhochfläche wieder auf den Jakobusweg. Bald senkt sich unser schattenloser Asphaltweg ins Hürbetal und zum gleichnamigen Ort Hürben. Dabei treffen wir auf das Jakobswegle, auf dem die wichtigsten Stationen bis Santiago di Compostella auf wenigen Kilometern zu erwandern sind. Auch hier ist noch der frische, manchmal böige Wind zu spüren. Vorbei an der letzten Häuserreihe erreichen wir bald den Waldrand und Della badet in der Hürbe. Auf Höhe der Charlottenhöhle wechseln wir die Talseite und verlassen erneut unseren vorgegeben Weg. Vorbei am Höhlenhaus steigen wir dann den Zeitenweg hoch zur 1893 entdeckten Charlottenhöhle, mit 532 ist sie eine der längsten Tropfsteinhöhlen Süddeutschlands und sie wurde nach der zweiten Frau des württembergischen Königs Wilhelm II benannt.

Leider reicht die Zeit nicht für einen Besuch, stattdessen gehen wir weiter aufwärts zur bewaldeten Hochfläche und dann etwas abwärts zur Kaltenburg, die sich über dem Zusammenfluss von Lone und Hürbe erhebt. Die vermutliche Stammburg des Reichsgrafen Heinrich von Kalden wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Außer einigen Mauerresten blieben nur die beiden sanierten Vierecktürme erhalten. Die von Pyramidendächern bekrönten verputzten Turmbauten gelten als Wahrzeichen der Burg und prägen die Ansicht aus dem Tal.

Wir steigen bis ins Lonetal ab, durchqueren das Tal – Della hat es wieder gut, denn die Lone führt noch Wasser. Kurz noch am Waldrand und dann steigen wir auf sehr sonnigen Waldsträßchen hinauf zum Bettelmannsgrab, wo mir Ingrid die dort aufgeschriebenen Sprüche vorliest. Ein Naturpfad führt uns zu einer eisernen Brunnenpumpe vorbei, allerdings bringt auch die intensive Nutzung des Brunnenschlegels kein Wasser hervor, doch Della findet die einige Meter tiefer liegende Quelle. Wir stärken uns derweil mit sonnenwarmen Himbeeren. Kurz vor Stetten wird es dann sonnig und heiß, auch der Besuch in der Kirche bringt nur eine kurze Erfrischung, zumal der Weg auch nach Stetten bis zum Waldrand sonnig bleibt.

Stetten war eine Ausbausiedlung der Merowingerzeit, von 1637 an im Besitz der Herren von Riedheim zu Kaltenburg, 1821 kam der Ort an die Grafen von Maldeghem. Das Schloss und die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt bilden eine Einheit. Schloss Stetten wurde 1583 von der Familie von Riedheim erbaut und 1712 barock umgestaltet, als bewohnter Privatbesitz kann es nicht besichtigt werden. Direkt neben dem Schloss befindet sich die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt von 1733. Im barocken Deckenfresko tummeln sich viele Putten. Ein Putto zeigt sein bloßes Hinterteil – geradewegs in die Richtung, in der der Graf zu sitzen pflegte. Es war die Rache der Bauleute, die sich über geringe und säumige Lohnzahlungen ärgerten.

Nahe bei Stetten liegt die Vogelherdhöhle, sie war, was die Funde betrifft, die reichste Höhe des Lonetals. In 11 Schichten sind viele Tierreste nachgewiesen, darunter verschiedene Wildpferd-, Wildrind-, Elefanten- und Fuchsarten. Weltberühmtheit erlangte die Vogelherdhöhle durch Tierfiguren aus Mammut-Elfenbein (Lonetalpferd), die Gustav Riek hier 1931 ausgegraben hat. Sie sind nach neuesten Forschungen vor etwa 40 000 Jahren angefertigt worden und gehören damit zu den ältesten bislang bekannten kunsthandwerklichen Gegenständen der Erde. Allerdings führt der Jakobusweg nicht daran vorbei.

Zunächst am Waldrand und dann durch den Wald gehen wir in Richtung Lindenau. Nach einer etwas längeren Pause steigen wir – abweichend vom Jakobusweg und das Örtchen links liegen lassend – wieder ins Lonetal hinunter. Meine Warnung, es könnte problematisch werden, auf der westlichen Talseite ohne Weg im Schatten zu gehen, hält Ingrid für unbegründet. Doch bereits nach wenigen Metern kommt die Lone ganz nahe an den Berg und den Wald heran und wir müssen uns durch hohes Gras, Disteln und vor allem Brennnesseln unseren Weg bahnen. Manchmal hat es den Anschein, als ginge es nicht weiter, aber irgendwie schaffen wir es doch und nach ca. 200 m können wir auf einer gemähten Wiese bequem gehen. Das Lonetal ist eines der natur- und kulturhistorisch interessantesten Täler der schwäbischen Alb mit einer Vielzahl von Höhlen.

Dann sehen wir den Parkplatz mit unserem Auto schon ganz nahe vor uns, allerdings führt nur eine nicht sehr tiefe Furt durch die Lone, aber die Betonfläche im Wasser sieht rutschig aus und so müssen wir bis zur Straßenbrücke gehen, doch die ist viel weiter entfernt als gedacht. Wir fahren zurück nach Giengen und ich mit Della nach Hause, denn in der Hitze wäre ein Stadtbummel nichts für sie und im Auto können wir sie unmöglich lassen. Ingrid schaut sich aber noch im Städtchen und bei Steiff um.