Archiv der Kategorie: Nürnberg-Bodensee

Giengen – Lonetal (1)

„Ein feines, lustiges Reichsstädtchen…, hat ein stattliches Spital“ – so kennzeichnet Zeiller-Merian in seinem Itinerarium Germaniae 1632 das alte Giengen. Alemannengräber im nördlichen Stadtgebiet geben Kunde davon, dass die Siedlung Giengen bis in die Merowingerzeit zurückreicht. Mit nur 1800 Einwohnern in der Blütezeit reichsstädtischer Selbstständigkeit gehörte Giengen mit Isny, Aalen, Bopfingen zu den kleinsten reichsunmittelbaren Städten des Schwabenlandes. Sein wirtschaftliches Gedeihen beruhte zum Teil darauf, dass es wahrscheinlich schon seit dem 11. Jahrhundert eine königliche Pfalz war, die unter den staufischen Kaisern zu Bedeutung gelangte. Giengen erhielt 1171 vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa das Stadtrecht und wurde 1368 zur freien Reichsstadt. Die rasch erblühende freie Reichsstadt wurde 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen niedergebrannt.

Im 19. Jahrhundert blühte das wirtschaftliche Leben auf mit der Gründung der Württembergischen Wollfilzmanufaktur und der von Margarete Steiff ins Leben gerufenen Plüschtier- und Puppenfabrik, deren Produkte bald Weltberühmtheit erlangten. Margarete Steiff wurde 1847 in Giengen geboren, im Alter von 2 Jahren wurde sie durch Polio an beiden Beinen gelähmt, auch die rechte Hand blieb geschwächt. Doch sie lernte nähen, hierzu verwendete sie den hier hergestellten Wollfilz für Kleidung und Haushaltswäsche, die sie ab 1877 in einem Filzkonfektionsgeschäft vertrieb. 1880 hatte sie die Idee einen Elefanten aus Filz herzustellen, der bald reißenden Absatz fand. Später kamen andere Tiere, wie Esel, Pferd und Schwein hinzu. Ihr Neffe Richard Steiff kreierte 1902 einen Bären aus zotteligem Mohair, der wenige Monate später auf der Leipziger Messe zunächst nur wenig Interesse fand. Ein Käufer aus Amerika orderte jedoch kurz vor Messeschluss noch 3000 Spielzeugbären. Jenseits des Großen Teiches wurde der Steiff-Bär rasch zur Kultfigur, hatte er doch eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem kleinen Bären, den der leidenschaftliche Jäger und US-Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt verschont hatte und der jetzt in Roosevelt-Karikaturen als ständiger Begleiter des Präsidenten vorkam. Damit begannen der Siegeszug des „Teddy-Bären“ und damit die Entwicklung der Firma Steiff zum Großunternehmen. Der Bärenkopf wurde nun zum Markenzeichen, das auch als „Knopf im Ohr“ Verwendung fand. Die Firmengründerin Margarete Steiff starb 1909.

Steiffmuseum Giengen

In der Fußgängerzone begegnen uns die ersten Bären an der Wand oder auf Pfosten und in der Marktstraße ist für uns ein roter Teppich ausgelegt, na ja, vielleicht auch, weil an diesem Wochenende Steiff sein Sommerfest feiert. Das nicht nur für Kinder sehenswerte Museum „Die Welt von Steiff“, wurde als moderner Rundbau 2005 erbaut. Das Museum mit Erlebnischarakter und Schaufertigung zeigt auf einer Fläche von 2400 qm die 125-jährige Geschichte der Steifftiere.

Wir besuchen noch kurz den kleinen Skulpturenpark an der alten Stadtmauer, dessen 9 Skulpturen im Jahre 2004 gefertigt und aufgestellt wurden. Wir grübeln über den Spruch auf einer Tafel an einem alten Haus nach:

recht schaffen,

rechtschaffen,

Recht schaffen.

Staufen – Giengen

Da wir unsere Ente, die wegen eines TÜV-Termin in einer Autowerkstätte in Giengen war, holen müssen, verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen und fahren nach Staufen, um von dort einen Abendspaziergang auf fast schattenlosem Weg nach Giengen zu machen.

Bei Staufen, einer alemannischen Gründung, berühren wir kurz noch einmal bayerisches Gebiet. Der Ort liegt am Rand der Alb, am Beginn des Bachtals. Ein Adeligengrab des 8. Jahrhunderts weist auf die frühe Bedeutung Staufens hin, das 1150 erstmals als Stouphen genannt wurde. Hier lebten die Staufer von Bloßenstaufen, ihre Burg lag im benachbarten Syrgenstein, seit 1806 gehört das Dorf zum Freistaat Bayern.

Die Sonne brennt um 19 Uhr immer noch ungebremst vom überwiegend blauen Himmel, nur am westlichen Horizont sehen wir nicht genau definierbare Wolken, die Gewitter und Regen nicht ausschließen lassen. Wir nutzen im Ort jeden Schatten aus, als wir zur neugotischen Martinskirche hochzusteigen. Zunächst durch Wiesen und Felder, dann kurz am Waldrand entlang kommen wir in ein weites Tal und können endlich auf schönem Grasweg wandern, was auch Della besser gefällt, als die geteerten und kiesigen Wege am Anfang, allerdings hechelt sie heute bei der Hitze und Schwüle ziemlich stark.

Bald kommt eine schöne Wacholderheide, ehe wir dann zum Schießberg hinaufsteigen, vorbei an einer goldenen Muschel und verschiedenen Tafeln zum Jakobusweg, von hier wären es noch 2200 km zum Endpunkt in Santiago de Compostella, aber das ist ja nicht unser Ziel. Als eine dunkle Wolke die Sonne verdeckt, genießen wir den Schatten. Durch das Sportgelände der Stadt kommen wir zum alten Aussichtsturm, da aber die umstehenden Bäume höher als der Turm sind, gehen wir nicht näher, sondern weiter zu einem Aussichtspavillon, der einen Blick auf die imposante evangelische Giengener Stadtkirche mit ihren 2 ungleichen Türmen erlaubt.

Die ursprünglich St. Marien geweihte Kirche, das Wahrzeichen Giengens, wurde nach dem Stadtbrand von 1634 auf Bauresten des 13. und 14. Jh. wieder errichtet. Das hohe Bauwerk weist alle Stilepochen seit der Romanik auf. Der Blasturm – auf dem früher der Nachtwächter seinen Dienst versah – ist im Renaissance- und der Glockenturm in Barockstil ausgeführt.

Über Treppen geht es abwärts und bald sind wir bei unserer Ente, die auch sofort anspringt, was leider nicht immer der Fall ist. Als ich dann mit Ingrids Auto hinter Ingrid herfahre, die die Ente steuert, stelle ich fest, dass ein Rücklicht defekt ist und das direkt nach der Abnahme durch den TÜV oder war es die Dekra? Komisch.

Neresheim – Staufen (2)

Weiter folgen wir wieder dem Zeichen der Muschel, allerdings weicht der Weg in der Wirklichkeit von der gar nicht so alten Karte ab. Noch ein letzter Blick zum Kloster und dann erklären wir mithilfe der Wanderkarte einem Radfahrer dessen weiteren Weg, scheinbar sind die Radler heute alle ohne Karten unterwegs. Wieder bringt uns der Wald Schatten und mit Blick auf Fleinheim machen wir Pause. Entlang einer Wacholderheide geht es ins Tal hinab, dabei finden wir eine verblühte Orchidee. Durch den Ort und an der Kirche vorbei steigen wir wieder zum Wald hinauf und wieder verläuft der Weg anders als in der Karte dargestellt. Ein verblühtes weißes Waldvögelein weckt unsere Aufmerksamkeit und wenig später sehen wir mehrere rote Waldvögelein, doch die blasse Rotfärbung macht auch heute meiner Digitalkamera zu schaffen. Neben der Straße geht es weiter, kurzzeitig durch hohes Gras mit Brennnesseln. Dann biegt der Muschelweg nach links auf einen Kiesweg ab, während die Karte den Weg noch geradeaus weist. Da aber nicht klar ist, ob der Weg bis Staufen so ausgeschildert ist, folgen wir dem Zeichen, vor allem, da der weitere Albvereinsweg fast undurchdringlich erscheint. Allerdings ärgert sich Ingrid über den Schotterweg und nutzt jede Gelegenheit auf Gras zu gehen. ´

Auf der Höhe vor dem Dorf Staufen steht die kleine Kapelle Maria Schnee, von der aus beachtenswerte moderne Kreuzwegstationen den Abstieg säumen. Dann sind wir auch bald in der Ortsmitte und bei unserem von der Sonne aufgeheizten PT-Cruiser von Chrysler.

Neresheim – Staufen (1)

Strahlend blauer Himmel ohne Wolken beim Aufstehen und so bleibt es auch. Abweichend vom ausgeschilderten Weg gehen wir sofort an die Egau, wo Della mal ein kurzes Bad nimmt. Dann wandern wir zwischen Feldern zur Zwing und dann kurz durch den Wald. Zwischen der Zwing, einer Wacholderheide und Auernheim verläuft ein Panoramaweg mit herrlichen weiten Ausblicken in Richtung Kloster Neresheim und zur Kirche von Auernheim. Nur heute wird das Vergnügen des Wegs durch das taunasse Gras etwas getrübt.

Das Härtsfeld liegt in der Ostalb-Region und ist der nordöstliche Ausläufer der schwäbischen Alb und wird im Westen vom Kocher- und Brenztal, im Norden vom Steilrand der Alb und dem Ries begrenzt, gegen Süden flacht der das Gelände ab und geht allmählich in die Donauebene über. Der Name leitet sich her von „hartem Feld“, auf dem es „viel Steine gab und wenig Brot“. Der Untergrund besteht zum größten Teil aus Weißjura-Kalkgestein. Das Härtsfeld ist relativ wasserarm, allerdings gibt es den aufgestauten Härtsfeldsee mit einer Fläche von 11 Hektar, der vom einzigen Flüsschen, der Egau, die in Neresheim entspringt und hinter Dillingen in die Donau mündet, gespeist wird. Früher machte der Spruch die Runde: „Wer Vater und Mutter nicht folgt, muss aufs Härtsfeld“. Aber das ist lange her, heute darf man aufs Härtsfeld, um sich zu erholen.

In Auernheim kommen wir zur Pfarrkirche St. Georg auf dem Krönungsberg, sie wurde 1729-1735 im Barockstil erbaut. Der einmaligen Lage der Kirche kommt einer alten Sage zufolge eine besondere Bedeutung zu. Es wird berichtet, dass die Auernheimer Bürger vor rund 280 Jahren ihre Kirche gerne „im Dorf“ haben wollten. Das bereitliegende Baumaterial wurde jedoch stets über Nacht von unsichtbarer Hand wieder dahin gebracht, wo heute die Kirche steht. Der erste Eindruck vom barocken Innenraum ist freundlich und hell. Die Decke ist flach und wird durch drei Fresken unterteilt. Es folgt durch einen Triumphbogen getrennt der Chorraum. Die beiden Seitenaltäre zeigen Maria mit dem Kind und St. Josef mit Papst Leo XIII. Auf dem Hochaltar ist die Kreuzigung zu sehen, den oberen Teil ziert die barocke plastische Darstellung der Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit.

Die Kirche ist von einem typischen Friedhof umgeben. An der Innenseite der Friedhofsmauer befinden sich mehrere noch sehr gut erhaltene Epitaphien, also Grabinschriften oder Gedenktafeln für Verstorbene aus dem Biedermeier mit zum Teil originellen Inschriften, wie die des „ehrenwerten Witwers Xaver Hafner von Auernheim: „Du folgst mir bald, sprach Marianne noch sterbend zum betrübten Manne. Ja, ja bald sehen wir uns dort. Und seht, der gute Mann hielt Wort“.

Neresheim

Das Benediktinerkloster Neresheim liegt hoch auf dem Ulrichsberg über der Stadt Neresheim und dem Egautal. Im Jahr 1095 gründete der Gaugraf Hartmann von Dillingen hier ein Chorherrenstift. In der wechselhaften Geschichte kam die Anlage auch in den Besitz des Fürstenhauses von „Thurn und Taxis“ und hieß von nun an „Schloss“ Neresheim. Erst 1920 wurde das Kloster wieder von Benediktinern besiedelt, heute bilden 14 Mönche den Konvent.

Die Abteikirche als geistliches und architektonisches Zentrum der Klosteranlage gilt als eine herausragende Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg und als Denkmal nationaler Bedeutung. Der Bau wurde 1750 nach Plänen von Balthasar Neumann begonnen, 42 Jahre später wurde die Kirche geweiht. Von 1966 bis 1975 musste die baufällig gewordene Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen werden.

Die Abteikirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Spätbarock. Als letzte reife architektonische Schöpfung Balthasar Neumanns kommt ihr in der europäischen Kunstgeschichte eine besondere Stellung zu. Neumann wählte als Grundrissform das lateinische Kreuz und es ist ihm gelungen, Lang- und Zentralraum zu einem monumentalen Gesamtraum zu verschmelzen.. Darüber wölben sich sieben Kuppeln. Die von vier freistehenden Säulenpaaren getragene Hauptkuppel misst in der Längsrichtung 24 m, in der Breite 20 m, sie schwingt sich in eine Höhe von 32 m auf. Die Kirche misst in ganzer Länge 83 m und die Breite des Querschiffs beträgt 35 m.

Im Innenraum der Kirche sind wir beeindruckt von der Fülle des Lichts, das durch die zahlreichen Seitenfenster eindringen kann, den schwingenden Linien der Architektur und die großartigen Kuppelbilder des Tiroler Malers Martin Knoller. Die sieben großen, von Farbigkeit und Plastizität der Figuren und Perspektiven gezeichneten Freskenbildern zeigen einen Christuszyklus auf. Das Bild in der Hauptkuppel „Anbetung der Dreifaltigkeit“ umfasst mehr als 200 Heiligen- und Engelsfiguren. Der Hochaltar mit dem 6,60 m hohen Kruzifix stammt von Thomas Schaidhauf, wie auch die ganzen Altäre und sämtliche Stuck- und Marmorarbeiten. Der 66 m hohe Kirchturm wurde von der früheren romanischen Kirche übernommen. Die Fassade ist mit 4 m hohen Steinplastiken der Schutzpatrone, den Heilligen Ulrich und Afra, geschmückt und über dem Hauptportal sind die Worte eingemeißelt: „Dies ist Gottes Haus“.

Auf dem Weg ins Tal hören die Schättere pfeifen und sehen sie qualmen, wir beeilen uns, um sie noch am Bahnhof fotografieren zu können.

Von 1901 bis in die 60-iger Jahre dampfte die Härtsfeldbahn auf 55 km von Aalen hinauf aufs Härtsfeld und fuhr über Dischingen bis nach Dillingen. Sie galt als eine der spektakulärsten Bahnlinien in Deutschland und als Prototyp der schwäbischen Eisenbahn. Wie eine Gebirgsbahn überwand sie den Höhenunterschied von Aalen auf die Ostalb. Die letzten Jahre vor der Stilllegung 1972 fuhr noch ein Schienenbus, dann wurden die Gleise abgebaut.

Seit einigen Jahren dampft die schmalspurige Härtsfeld-Museumsbahn Schättere wieder. Sie verkehrt an jedem 1. Sonntag in den Monaten von Mai bis Oktober sowie an verschiedenen Feiertagen. Es fahren Dampflokomotiven (Baujahr 1912) mit Personenwagen von 1888, 1896 und 1909, der Triebwagen stammt von 1934 auf der Strecke von Neresheim bis zur Sägmühle, eine Strecke von 3 km, eine Verlängerung der Bahnstrecke bis zum Härtsfeldsee und weiter nach Dischingen ist geplant. 1986 öffnete das Härtsfeldbahn-Museum im Neresheimer Bahnhof seine Pforten. Seither entstand auf dem ehemaligen Gelände der Centralstation (Betriebsmittelpunkt) die Gleisanlage mit der beachtlichen Fahrzeugsammlung.

Niederhaus – Neresheim (2)

Wir steigen langsam aber stetig bergan, kurz am Waldrand und einen asphaltierten Weg entlang und dann nochmals durch einen Wald. An dessen Ende machen wir Pause, denn die nächsten Kilometer versprechen keinen Schatten und werden daher wohl ziemlich anstrengend. Nicht weit entfernt sehen wir einen Fuchs gemächlich im Feld verschwinden. Keine Wolke schützt vor der Sonne und nur selten spendet ein Baum etwas Schatten, obwohl die Temperatur durch den starken Wind für uns noch erträglich ist, doch Della dürfte dieses kühlende Element fehlen, was man ihr auch durchaus anmerkt.

Kurz müssten wir auf der Straße gehen, doch dann ist erfreulicherweise daneben ein schmaler Pfad gemäht. Vom tiefen Tal steigen wir hinauf zur Wallfahrtskapelle Maria Buch, wo wir uns im Schatten der Bäume erholen und Della im Brunnen ein Bad nimmt.

Über die Entstehung der Kapelle Maria Buch gibt es folgende Legende: Der 30-jährige Krieg hatte viel Not und Elend über die Bevölkerung des Härtsfelds gebracht. Die umliegenden Dörfer wurden vom Kloster Neresheim seelsorgerisch betreut. Dabei hatte Abt Meinrad Denich im Jahr 1663 bei einem Ritt nach Ohmenheim ein besonderes Erlebnis. Vor einer einzeln stehenden Weißbuche blieb sein Pferd stehen und war nicht zum Weitergehen zu bewegen. Nach einigen Versuchen kam dem Abt der Gedanke, es müsse vielleicht etwas Besonderes in der Buche verborgen sein. Bei näherem Schauen entdeckte er einen ziemlich großen Auswuchs, als man diesen öffnete, fand man ein altes Marienbildnis aus Ton im Innern der Buche. Dies wurde als himmlisches Zeichen gedeutet und das Volk pilgerte nun zu dieser Buche mit dem Gnadenbild, um Gottes Hilfe aus allerlei Not zu erbitten.

Es wurde zunächst eine schlichte Kapelle errichtet, da jedoch Tausende von Wallfahrern jährlich an den Gnadenort kamen, wurde Jahr 1711 eine größere Kirche erbaut – mit einer Länge von 37 m, zwei Türmen und einem Mesnerhaus. Die Buche war in Bau integriert und ragte über das Kirchendach hinaus. Im Franzosenkrieg unter Napoleon, nach der Schlacht bei Neresheim im Jahr 1796 wurde diese Kirche ein Raub der Flammen. Später entstand dann wieder eine bescheidene Kapelle und im Jahr 1889 wurde die jetzige Kapelle gebaut.

Auf dem Waldweg zum Kloster Neresheim finden wir mehrere Exemplare des seltenen roten Waldvögeleins. Diese Orchidee gehört zur Familie der Knabenkrautgewächse, ist geschützt und blüht von Mai bis Juli. Im Klosterareal stellen wir fest, dass einige Gebäude seit unserem letzten Besuch restauriert worden waren und wir beobachten eine mit Lautsprecher unterstützte, kleine Gruppe auf der Prozession nach Maria Buch.

Niederhaus – Neresheim (1)

Wir fahren nach Niederhaus, besichtigen kurz die aus dem 12. Jahrhundert stammende, uns schon bekannte Ruine Niederhaus. Die Burganlage war im Norden und Osten durch einen Doppelgraben gesichert, über den heute eine Holzbrücke führt. Vom Palas stehen noch die gewaltigen Mauern mit zahlreichen Fensteröffnungen.

Die Burg war ehemals Hauptsitz des mächtigen Adelsgeschlechts derer von Hürnheim. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut, ehe sie 1379 zerstört wurde und wie auch die benachbarte Burg Hochhaus verfiel.

Wir steigen ab ins Tal und folgen am Waldrand einem Bächlein ins Kartäusertal, kurz gehen wir auf sonnigen, aber von kaltem Ostwind geprägten Weg zum gegenüberliegenden Waldrand und erreichen überwiegend auf schattigem Pfad Christgarten, wobei sich Della einige Male in dem Bächlein erfrischt.

Das im ruhigen Waldtal gelegene Kartäuserkloster, das dem Tal seinen Namen gab, geht auf eine Gründung der Grafen von Oettingen 1383 zurück. Das Kloster wurde im 16./17. Jahrhundert zerstört und verfiel. Von der Klosterkirche blieb nur der als evangelische Pfarrkirche dienende gotische Mönchschor erhalten. Zum Schutz vor herabfallenden Steinen sind die Kirche und Klosterruine während unseres heutigen Besuchs mit Bändern abgesperrt, allerdings ist ein vergitterter Blick ins Innere möglich.

Entweder müssen wir jetzt auf der Straße weitergehen oder das Wildgehege durchqueren, hier dürfen allerdings keine Hunde mitgeführt werden. Da Della im Urlaub hin und wieder an den Rucksack gewöhnt worden war, packen wir die sich zunächst vehement wehrende Della in meinen Rucksack.

Wir müssen uns beeilen, denn nur durch eine Hecke sind wir vor den Blicken des dort wohnenden Försters gesichert und ich hoffe nur, dass sich unserer Hündin nicht durch die von dort zu hörenden Geräusche zum Bellen herausgefordert fühlt. Aber sie bleibt ruhig und dann durchqueren wir schnell das Gehege. Wir sind froh, als wir es verlassen können, obwohl sich das Gehege neben unserem Weg noch weit nach Westen zieht.

Wallerstein – Niederhaus

Hinter dem weißen Figurenobelisk verlassen wir das Städtchen, das Wetter ist so wie im Internet vorhergesagt, Sonne und Wolken, allerdings etwas windig. Interessant ist der Rückblick nach Wallerstein. Durch Felder und 2 Dörfchen kommen wir nach Nördlingen. Da wir die Stadt an der romantischen Straße vor einem Jahr bei unserer Wan-derung rund um die schwäbische Alb ausführlich besichtigt haben, machen wir heute keinen Stadtrundgang, sondern durchqueren die Stadt auf direktem Wege.

Die Stadtmauer, die zum größten Teil begehbar ist, umschließt den mittelalterlichen Stadtkern, der nur durch die Tore wie z.B. das Bergertor, das anstelle eines ehemaligen Zwingers in den Jahren 1435-1436 durch Hans Rews erbaut wurde. 1574-1575 erfolgte der Ausbau der oberen Turmgeschosse in der heutigen Form und die Vollendung des Turmes durch Wolfgang und Kaspar Wallberger. 1980 wird das Bergertor renoviert und eine bestehende Stadtmauerlücke geschlossen. Das Rathaus ist das älteste Steinhaus der Stadt aus dem 13. Jahrhundert. Von 1313 bis 1382 wird es als Messekaufhaus verwendet, seitdem wird es ununterbrochen als Rathaus der Stadt genutzt. Viele wunderschöne alte Häuser prägen das Bild der Stadt, wie das liebevoll renovierte Gerberhaus in der Nähe der Stadtmauer.

Aber heute haben wir die Zeit, um die spätgotische Hallenkirche St.-Georgskirche zu besichtigen, deren 90 m hohe Turm über dem Westportal, im Volksmund „Daniel“ genannt wird. Nachdem 1427 der Entschluss zum Bau des Gotteshauses gefallen war, wurde gut 20 Jahre später der Chor fertig gestellt und der Bau des Langhauses begonnen. Auf 22 schlanken Säulen werden Schiff und Chor überwölbt; 24 Fenster mit Maßwerk bringen Licht in die Kirche. Nach der Herstellung des Hochaltars durch Friedrich Herlin 1462 und der Vollendung des Turmes 1490 ist 1505 der Bau mit der Ausführung des prächtigen Gewölbes beendet. Im Zuge der Reformation wird die Kirche in den Jahren 1523/25 evangelische Stadtkirche. 1945 zerstörte eine Fliegerbombe die 1889 aufgestellte „Steinmeyer-Orgel“ und 1974 fiel die alte Barockorgel aus dem Jahre 1610 einem Feuer zum Opfer. 1971-1977 erfolgte die letzte Restaurierung; den Abschluss bildete die Einweihung der neuen Hauptorgel auf der Westempore.

In Verlängerung des Chors der St. Georgskirche steht mitten auf dem Rübenmarkt seit 1902 der Kriegerbrunnen am Platz eines früheren Judenbrunnens. Er ist den Gefallenen des Krieges von 1870/71 gewidmet. Das mit einem Adler bekrönte Kunstwerk des Münchner Bildhauers Wrba gefällt durch seine einzigartigen Jugendstilelemente wie den Bronzefiguren als Halterung der eisernen Absperrung.

Im Grünstreifen außerhalb der Stadtmauer essen wir unser Vesper, doch in der Zwischenzeit hat sich die Sonne verzogen und es wird immer kälter. Hinter Nördlingen erwartet uns eine landschaftlich abwechslungsreiche Etappe über die Ries-Hochfläche. Wir steigen zum Adldlersberg am Riesrand hinauf schauen zurück in das südliche Riesbecken. Der Himmel zieht sich bedenklich zu. Dann beginnt es zu tröpfeln, ringsum scheint es aber heftiger zu regnen, diesmal scheint der Radiowetterbericht genauer zu sein als das Internet. Der Wanderweg macht viele Wendungen und ich frage mich, muss das wirklich so sein oder gäbe es nicht auch einen direkteren Weg über den Albuch, wo einst im 30-jährigen Krieg die Schlacht bei Nördlingen stattfand, die 12.000 Menschenleben forderte. Dann wird der Regen stärker und mit weitem Bogen führt der Wanderweg ins Tal nach Hürnheim hinab, um den Ort herum – durch den Ort wäre kürzer gewesen – und dann folgt der letzte Anstieg bis zum Parkplatz bei der Ruine Niederhaus.

Auf der Rückfahrt schaut sich Ingrid noch bei strömenden Regen nach Oldtimerbussen um, während ich direkt heimfahre.

Wallerstein

Heute sind die Oldtimerschienenfahrzeuge des Nördlinger Eisenbahnmuseums unterwegs und so steigen wir in Nördlingen in einen nostalgischen Schienenbus und fahren nach Wallerstein.

Die mittelalterliche Siedlung, die ursprünglich Steinheim genannt wurde, entstand an einem Fernweg für Kaufleute, Pilger und Soldaten von Italien nach Frankfurt und wurde erstmals urkundlich 1238 erwähnt. Die Burg auf dem Felsen war Mittelpunkt der staufischen Regentschaft im Ries und befand sich im Besitz des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Nach dem Niedergang des Geschlechts ging der Besitz um 1250 an das Haus Oettingen über. 1500 erfolgte die Verleihung des Marktrechts durch Kaiser Maximilian I. Später wurde der Ort Obervogtamt und Residenz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein, mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zu Bayern.

Vom Bahnhof steigen wir zunächst in der Stadt aufwärts und dann als Gäste des Fürsten Wallersteins auf den Felsen, der uns einen schönen Rundumblick über das Ries gestattet, leider mindert der Dunst das Vergnügen doch nachhaltig. Abwärts kommen wir zur Kapelle Maria Hilf, der markante Rundbau mit Kuppel, Laterne und Renaissanceportal wurde 1623 – 26 im Barockstil erbaut. Nach Zerstörung der alten Burg 1648 durch die Schweden wurde der fürstliche Wohntrakt in der Herrenstraße errichtet. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Schloss der Regierungssitz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein. Seine heutige Gestalt hat die imposante Dreiflügelanlage 1804 erhalten.

Vorbei an schönen Häusern kommen wir zur Ortsmitte des idyllischen Residenzorts, der direkt an der Romantischen Straße im Herzen des Rieses liegt. Wir sehen die katholische Pfarrkirche St. Alban, die 1613-16 im Übergangsstil zwischen Gotik und Barock mit Elementen von Gotik, Renaissance und Barock erbaut wurde, und bewundern das Wahrzeichen Wallersteins, die Pest- oder Dreifaltigkeitssäule.

Als die Pest um 1679 Tausenden von Menschen das Leben kostete, war es Graf Anton Karl von Oettingen-Waller-stein, der die Pestsäule durch den Bildhauer Johann Georg Beschorer nach dem Vorbild böhmischer Pestsäulen und der Wiener Pestsäule errichten ließ, um den zürnenden Gott im Namen des Volks um Barmherzigkeit und Verschonung zu bitten. „Fern sei der Seuche Gewalt unserem Land und dem Haus“. Der reiche Figurenschmuck der Säule zeigt zu Füßen der Dreifaltigkeit die hl. Maria sowie die Heiligen Rochus, Sebastian und Antonius von Padua.

Oettingen – Wallerstein (2)

Der Name Maihingen kennzeichnet eine alemannische Siedlung. Urkundlich wird der Ort erstmals 1251 erwähnt. Der Dorfanger wird baulich von der barocken Dorfkirche dominiert, interessant auch der alte Ziehbrunnen. Wir gehen weiter zum Kloster, das 1472 vom Birgittenorden gegründet wurde und um 1500 seine Blütezeit hatte, damals lebten 43 Nonnen und 24 Brüder bzw. Patres lebten hier. 1576 wurde das Kloster aufgegeben und hundert Jahre später bauten die Franziskaner-Minoriten das Kloster und die Kirche hundert Jahre später so auf, wie wir sie heute vorfinden. Die Klosterkirche wurde 1712 nach Vorarlberger Bauschema als Wandpfeilerkirche erbaut. Von außen schlicht und schmuckarm ist 3. größte Rieser Kirche 30 m hoch und 23 m breit. Die Klosterkirche beeindruckt nicht durch ihre Größe, sondern auch durch die reiche Ausstattung. Künstlerische Kostbarkeiten sind die spätgotische Madonna von 1510 aus der früheren Kirche und der Rokoko-Altar von 1752.

Einmalig in Süddeutschland ist wegen ihres original erhaltenen Intonations- und Stimmungszustandes die Orgel, die 1734-37 vom Eichstätter Orgelbaumeister Joh. Martin Baumeister erbaut und um 1900 restauriert wurde. Wunderschön auch die riesigen Deckengemälde.

1802 erfolgte die Säkularisierung durch das Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein. Die Mönche durften vorläufig noch wohnen bleiben. Der letzte im Kloster verbliebene Mönch verstarb 1825. Seit 1984 ist das Kloster katholisches Evangelisationszentrum, es finden hier Kurse und Seminare zur Erneuerung und Vertiefung des Glaubens und zur Mitarbeiterschulung statt. In zwei Gebäuden der barocken Klosteranlage ist das Rieser Bauernmuseum untergebracht, das Einblicke in die Volks- und Alltagskultur des Nördlinger Rieses gibt.

Auch hier stimmt wieder einmal der Jakobusweg auf der doch ziemlich neuen Karte mit der Wirklichkeit nicht überein. Wir gehen daher nicht entlang der Straße, sondern vom Kloster nach Osten, um dem auf der Karte eingezeichneten Weg zu folgen, auf den später auch der ausgeschilderte Weg trifft. Seit Maihingen strahlt die Sonne vom Himmel, sodass wir froh sind, wenn sich mal eine kleinere Wolke davor schiebt und etwas Schatten bringt. Glücklicherweise haben wir auf unserem Weg durch Büsche auch einigen Windschatten. Schließlich erreichen wir gegen am frühen Abend unser Ziel in Wallerstein.