Archiv der Kategorie: Unser sächsischer Lutherweg

Weidenhain – Torgau (2)

Nach Zinna wird es unangenehm, denn wir müssen neben der Bundesstraße weitergehen, bis wir an einer Kreuzung auf eine weniger befahrene Straße abbiegen können.

Da wir meinen, noch viel Zeit zu haben, kehren wir in einer Bäckerei ein. Auf der Karte sehen wir, dass der Bahnhof nicht mehr weit entfernt ist, allerdings auf der anderen Seite der Gleise. Aber wir sind sicher, dass es möglich sein muss, die Gleise mittels Über- oder Unterführung zu überwinden, wie das an den meisten Bahnhöfen der Fall ist.

Nicht so in Torgau. Wir kommen am Güterbahnhof an, doch es gibt keine Chance, die Gleise zu überwinden. Nach rechts geht es nicht weiter, vielleicht ginge es zurück, aber ich hoffe, die Gleise nach dem Bahnhof irgendwie überqueren zu können, aber das ist nicht möglich, dann sehe ich in einiger Entfernung einen Bahnübergang. Ich lege einen Zahn zu und Ingrid bleibt etwas zurück. Glücklicherweise ist der Bahnübergang offen und ich gehe auf der anderen Seite in Richtung Bahnhof zurück. Auf der Uhr ist es 17.24, in einer Minute sollte der Bus abfahren und ich muss noch den richtigen Bussteig suchen. Da kommt der Bus an und ich kann noch einsteigen, während Ingrid gemütlich zu unserer Ferienwohnung geht.

Weidenhain – Torgau (1)

Das war knapp

Nachdem es gestern Abend nur Absagen gehagelt hat, erhalten wir aufgrund einer Mail einen frühen Anruf, dass eine Wohnung in Torgau frei ist, zwar nicht ganz billig, aber es ist die fast letzte Alternative.

Nach dem Packen fahren wir nach Torgau, in Pressel suchen und fotografieren wir allerdings erst noch das Kögel Denkmal. Dank des Handynavi finden wir trotz einiger Umleitungen leicht die Pension in Torgau und können die wichtigsten Gepäckstücke deponieren.

Zurück in Weidenheim fotografieren wie die weiß verputzte Kirche und gehen den lang gestreckten Ort entlang nach Osten. Auf einem Radweg fährt der Weg an einem Trimm-dich-Platz und an einem Teich vorbei in den Wald. Wir verlassen im Gegensatz zum Lutherweg den Radweg und gehen auf dem torgischen Wanderweg auf Naturboden durch den Wald. Am Waldrand treffen wir wieder auf den Lutherweg. Wir gehen auf einer asphaltierten Allee weiter, zunächst sind es nur Robinien, dann mischen sich einige Birken darunter. Es folgt ein kleines Wäldchen, ebenfalls überwiegend aus Robinien. Am Ortseingang von Süptitz kommen wir an einigen Teichen und einem kleinen Stausee vorbei. An der romanischen Kirche finden wir einige interessante alte Grabsteine. Luther war mit dem Süptitzer Pfarrer befreundet, dieser brach als erster protestantischer Pfarrer das Zölibat und heiratete.

Auf dem Radweg auf einer kleinen Anhöhe haben wir einen schönen Ausblick nach Norden und Süden, allerdings sieht man nicht nach Torgau. Ingrid versucht wieder, einen Rufbus zu organisieren, aber wie schon gestern, meldet sich auch nach langem Läuten niemand. Über die Touristinfo bekommen wir die Nummer des Busunternehmens und erfahren, dass es sich ab Torgau um einen regulären Bus handelt.

Pressel – Weidenhain (2)

Nach wenigen hundert Meter verlassen wir diesen nach rechts, denn wir wollen statt nach Roitzsch zu wandern, den Zadlitzbruch im Pressler Heide- und Moorgebiet besuchen. Hier wurde vor mehr als 60 Jahren letztmalig Torf für Heizzwecke gestochen und man findet viele seltenen Pflanzen, wie Adlerfarn, Sonnentau oder die breitblättrige Kuckucksblume.

Mit vielen Wendungen kommen wir zu einer Landstraße und erreichen dort das Bruch. Wir sehen zunächst nur wenig offene Wasserflächen und wandern dann auf einem schmalen Pfad in einer gewissen Entfernung zum Gebiet des Bruchs, sehen aber immer das hohe Schilf. Der Weg wird immer schmaler und lässt sich in den bis zu 2 m hohen Farnen kaum erahnen.

Nach einer kurzen Pause in einem Waldbereich fast ohne Farne wird es noch schwieriger, von oben sieht man keinen Weg mehr, trotzdem schaffen wir es zu einem breiteren Weg, der dann als kleiner Damm durch das Moor hindurch geht, ganz nahe sehen wir Wollgras.

Nach dem Dammweg biegen wir wieder in einen schmalen Pfad ein, der in nordwestlicher Richtung, also fast entgegengesetzt zu unserem Ziel, am Bruch entlang fährt, zweimal können wir ganz nahe an den Bruch herangehen und sehen Wollgras und Sonnentau in großer Menge, sodass ich Ingrid mehrmals frage, ob sie sicher sei mit dem Sonnentau, aber sie ist sich ganz sicher.

Endlich erreichen wir den Weg Nr. 7, auf dem wir auf Gras nach Osten gehen können. Vorbei an einem ehemaligen Ausflugslokal gehen wir auf einem gekiesten Waldweg weiter, als dieser nach rechts abbiegt, gehen wir auf einem schmäleren Weg geradeaus und hoffen, dass dies auch wirklich der Weg 1 ist, was wir gut eine Stunde später bestätigt bekommen, als wir wieder auf den Lutherweg treffen.

Im Wald wird es immer dunkler, aber Ingrid meint, das sei kein Problem, sie habe ja einen Schirm. Wir kommen aus dem Wald und sehen in einiger Entfernung Weidenhain, unser Ziel. Jetzt beginnt es zunächst leicht zu tröpfeln, Ingrid holt ihren Schirm heraus und ich meinen Anorak. Es regnet immer stärker, dann schüttet es heftig, wir beeilen uns, aber der Ort kommt und kommt nicht näher. Dann haben wir ihn endlich erreicht und suchen jetzt den kürzesten Weg zur Bushaltestelle, dabei bekommen wir den Regen nicht wie bisher von hinten sondern auch von der Seite ab.

Endlich erreichen wir die überdachte Haltestelle und können etwas abtropfen. Nach wenigen Minuten kommt als Rufbus, den Ingrid unterwegs bestellt hatte, ein Taxi, das uns mit zwei anderen Fahrgästen nach Pressel bringt. Dann fahren wir schnell in die Wohnung, damit wir die nassen Kleider rasch ausziehen können.

Pressel – Weidenhain (1)

Kalt erwischt

Als wir uns gerade fertigmachen, fängt es an zu tröpfeln, hört aber gleich wieder auf und als wir endlich mal im Internet die Wettervorhersage aufbekommen, denn heute will das W-lan nicht so richtig, werden ab der Mittagszeit Schauer vorhergesagt und wir überlegen, was wir tun sollen. Die nächste, kürzere Etappe vorziehen oder ein Museum besuchen oder das Risiko eingehen?

Dabei verrinnt die Zeit und wir können im Internet nicht einmal die Busverbindungen klären, daher fahren wir an eine Stelle, wo Ingrid surfen kann. Jetzt hat sich die Wettervorsage gründlich geändert, von Regen und Schauer keine Spur mehr, von Stunde zu Stunde soll es schöner werden, also ist es kein Problem, dass ich meinen Schirm in der Ferienwohnung vergessen habe.

Direkt an der Bushaltestelle in Pressel beginnen wir unsere Wanderung und treffen bald auf den Kögel-Wanderweg, der zu Ehren des Weltumwanderers im 19. Jahrhundert, der aus Pressel stammte und hier seine Wanderung begonnen und beendet hat. Wir gehen durch die Feldflur und immer wieder werden auf Tafeln Orte dargestellt, die der Wanderer besucht hat.

Friedrich Gustav Kögel, geb. 1860 und nach seiner Schneiderlehre wanderte er nach Amerika aus und ist 1947 in Chicago gestorben, gilt mit seinem Freund als der erste Globetrotter. Aufgrund einer Wette einer amerikanischen Zeitung  Innerhalb von 2 Jahren wanderten die beiden auf einer vorgeschriebenen Route um die Erde, was weltweit in den Medien gewürdigt wurde. Ihren Unterhalt verdienten sie mit Zeitungsberichten, Vorträgen und Fotografien.

Wir treffen auf den Lutherweg und nach einem nicht sehr langen Waldstück kommen wir zur Bundesstraße, zunächst können wir auf einem Radweg neben der Straße gehen, doch bei Neumühle ist dieser zu Ende und es wird sehr eng auf der stark befahrenen Straße. Doch bald biegt der Lutherweg in den Wald ab.

Bad Düben – Pressel (2)

Wir verlassen das Städtchen und gehen auf dem Lutherweg, der identisch ist mit dem Torgischen Weg ist, durch Felder, wo dem Lärm nach gerade Getreide geerntet wird. Wieder einmal kreisen einige Milane über uns.

Lange wandern wir an der Grenze eines Standortübungsplatzes entlang, jetzt bläst mitunter starker und sehr kühler Wind von hinten, was bei einem verschwitzten Rücken suboptimal ist.

Als der Weg durch den militärischen Sperrbezirk führt, wählt Ingrid eine Variante am Waldrand und der Grenze des Übungsplatzes entlang, was die Wanderung etwas verlängert. Kurz vor Authausen sehen wir zwei Bockwindmühlen und im Ort ist eine hübsche Feldsteinkirche. Sie stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, trotz der Erweiterung von 1830 ist der romanische Ursprung noch zu erkennen.

Die Bockwindmühlen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden teils mit Öl- oder Elektromotors bis 1975 bzw. 1985 betrieben, die Ludwigmühle ist seit 2008 eine funktionstüchtige Schauanlage.

Um morgen eine vernünftige Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr zu haben, entscheiden wir uns abweichend vom Lutherweg nach Pressel zu wandern. Auf beiden uns zur Verfügung stehenden Wanderkarten, eine davon ganz neu, ist ein Feldweg von Authausen nach Pressel eingezeichnet. Wir finden auch den Anfang und gehen frohgemut nach Süden. Doch das ändert sich, als der Feldweg in einem riesigen Rapsfeld endet. So müssen wir zurückgehen und lange bis zur Straße nach Westen wandern, nachdem wir im Ort lange nach Osten gewandert waren.

Anschließend müssen wir noch fast 2 km auf der Landstraße wandern, was nicht so viel Spass macht. In Pressel rufen wir unsere Vermieterin an, die uns angeboten hat, uns heute abzuholen. In der Wartezeit kehren wir noch kurz zum Trinken ein.

Bad Düben – Pressel (1)

Pech gehabt

Als Ingrid in Bad Düben bei der Ferienwohnung anruft, wo wir vor einigen Wochen bereits waren, ist diese zwar frei, aber nur für zwei Tage. Das ist uns eigentlich zu wenig und wir sagen ab Leider finden wir keine andere und da Ingrid auf keinen Fall heimreisen will, entscheiden wir uns die Wohnung 2 Tage zu buchen. Doch der Vermieter ist noch unterwegs und wo seine Frau gerade ist, weiß er nicht. Wir fahren auf Gut Glück hin und da will die Vermieterin gerade wegfahren. Sie hat aber noch Zeit, uns in die Wohnung zu lassen und uns zu sagen, wir könnten bis Freitagmorgen bleiben.

Wir starten unsere Wanderung an der vor einigen Jahren neu gepflanzten Lutherlinde, an der wir auch auf unserem sächsisch-anhaltinischen Lutherweg vorbeigekommen sind.

Bad Düben hat heute knapp 8.000 Einwohne, sie wurde als Burg Diblin 981 erstmals erwähnt, die Burg ist heute noch das Wahrzeichen der Stadt und beinhaltet heute ein in Sachsen einmaligen Landschaftsmuseum. In der Burg wurde 1533 der berühmte Rechtsstreit zwischen Hans Kohlhaas und dem Junker Zaschnitz verhandelt, das Ergebnis befriedigt Kohlhaas nicht und da auch weitere Versuche Gerechtigkeit zu erlangen, wird er zum Rächer und endet schließlich am Galgen

Vor der Völkerschlacht bei Leipzig wohnte Napoleon drei schreckliche Tage auf der Burg, wie er es selbst beschrieb

Die kleine Stadt liegt in der nach ihr benannten Heide mit einer Gesamtfläche von rund 1000 km2, mehr als die Hälfte davon ist eine geschlossene Waldfläche. In den Landschafts- und Naturschutzgebieten findet man viele geschützte Pflanzen und Tiere, so der Sonnentau, verschiedene Orchideenarten, der Schwarzstorch und der Elbebiber.

Durch die Wittenberger Straße, einer Wohnsiedlung mit vielen Bäumen und teilweise großen Gärten kommen wir zur Bundesstraße und der Dübener Bockwindmühle. Sie stand seit 1840 in Glesien, nördlich von Leipzig und war bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in Betrieb. Wegen des Ausbaus des Flughafen Leipzig-Halle musste sie ihrem Standort verlassen und wurde in Bad Düben wieder aufgebaut und rekonstruiert.

Nach wenigen Schritten sind wir im Kurpark, gehen am Teich entlang zur Obermühle, die gerade saniert wird. Wir bleiben im Kurpark, vorbei an Kurhaus und Waldklinik kommen wir zum Kurgarten, in dem derzeit viele Rosen blühen. Durch den Friedhof und das Pesttor erreichen wir die Stadtkirche. Wir besuchen Burg Düben und sehen die interessante Schiffsmühle, die früher auf der Mulde ihren Dienst getan hat. Auf der strömungsreichen Mulde gab es zwischen Eilenberg und Bitterfeld um 1800 9 Schiffsmühlen. Jede Schiffsmühle besteht aus 2 Schiffen, das Hausschiff mit dem Mahlwerk und das Wellschiff mit dem großen Schaufelrad. 1956 wurde der Betrieb der letzten Schiffsmühle eingestellt.

Als nächstes gehen wir unter der Straßenbrücke kurz an der Mulde entlang und kehren über die Stadtmühle, die heute nicht mehr als Mühle zu erkennen ist, in die Dübener Altstadt zurück.

Am Rathaus warten wir einige Minuten, um unterhalb der Uhr die beiden Geißböcke beobachten zu können, die hier zu jeder vollen Stunde mit den Köpfen zusammenstoßen sollen, aber sie treffen sich um Haaresbreite nicht. Das ursprüngliche Uhrwerk wurde 1716 bei einem Stadtbrand zerstört und 2002 erhielt die Uhr zwei neue Ziegenböcke, an der Rückseite gibt es die Inschrift: „Möge in diesem Haus kein Bockmist gemacht werden.“

Idee und Umsetzung

Nachdem wir von den Lutherwegen erfahren haben, war es uns klar, dass wir im Vorjahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums auf diesen Wegen wandern wollten und wir wählten als Beginn den am längsten bestehenden Weg, nämlich den in Sachsen-Anhalt, den wir in Luthers Geburtsort Eisleben beginnen und als seinen Sterbeort auch beenden, auf der Wanderung besuchen wir natürlich auch Wittenberg, den Ausgangsort der Reformation.

Nachdem wir den sachsen-anhaltinischen Lutherweg beendet hatten, fahren wir quer durch Sachsen-Anhalt nach Sachsen, genauer gesagt, nach Bad Düben. Diesen Ort haben wir auf unserem ersten Lutherweg bereits berührt und den Anschluss des sächsischen erreicht.

Wie so oft sind wir aus unterschiedlichen Gründen auch auf dieser Wanderung von der vorgesehenen Route und der Reihenfolge der einzelnen Etappen abgewichen. Mal haben wir es geschafft, Straßen und Radwege zu vermeiden und dafür angenehmere Wanderwege gefunden, mal mussten wir, um öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen, den Lutherweg verlassen, mal wollten wir etwas uns Interessierendes sehen, auch wenn es nicht zum Wanderweg gehört.

Die Gründe für die Veränderung der Reihenfolge der einzelnen Etappen lagen im öffentlichen Nahverkehr – manche Verbindungen gibt es nicht am Wochenende – und an der Witterung, so haben wir an heißen Tagen z.B. eine Waldwanderung dem freien Feld vorgezogen.

Den längsten Lutherweg in Mitteldeutschland, den thüringischen, haben wir zwischenzeitlich in Altenburg begonnen.

Unser sächsischer Lutherweg

In den letzten Tagen haben wir den sächsischen Lutherweg, den wir im letzten Jahr schon begonnen hatten, beendet. Er führte uns über fast 600 km von Bad Düben über Grimma nach Leisnig und Döbeln. Dabei besuchten wir u.a. die Burgen und Schlösser in Colditz, Kriebstein, Rochlitz und Wolkenstein.

Der südlichste Punkt war Zwickau, ehe es dann über Crimmitschau ins thüringische Altenburg ging. Über Leipzig kehrten wir dann nach Bad Düben zurück.

Anschließend hatten wir noch einige Tage Zeit, den Lutherweg in Thüringen zu beginnen, der uns mit seinen mehr als 900 km wohl die beiden nächsten Jahre beschäftigen wird.