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Bad Düben – Pressel (2)

Wir verlassen das Städtchen und gehen auf dem Lutherweg, der identisch ist mit dem Torgischen Weg ist, durch Felder, wo dem Lärm nach gerade Getreide geerntet wird. Wieder einmal kreisen einige Milane über uns.

Lange wandern wir an der Grenze eines Standortübungsplatzes entlang, jetzt bläst mitunter starker und sehr kühler Wind von hinten, was bei einem verschwitzten Rücken suboptimal ist.

Als der Weg durch den militärischen Sperrbezirk führt, wählt Ingrid eine Variante am Waldrand und der Grenze des Übungsplatzes entlang, was die Wanderung etwas verlängert. Kurz vor Authausen sehen wir zwei Bockwindmühlen und im Ort ist eine hübsche Feldsteinkirche. Sie stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, trotz der Erweiterung von 1830 ist der romanische Ursprung noch zu erkennen.

Die Bockwindmühlen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden teils mit Öl- oder Elektromotors bis 1975 bzw. 1985 betrieben, die Ludwigmühle ist seit 2008 eine funktionstüchtige Schauanlage.

Um morgen eine vernünftige Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr zu haben, entscheiden wir uns abweichend vom Lutherweg nach Pressel zu wandern. Auf beiden uns zur Verfügung stehenden Wanderkarten, eine davon ganz neu, ist ein Feldweg von Authausen nach Pressel eingezeichnet. Wir finden auch den Anfang und gehen frohgemut nach Süden. Doch das ändert sich, als der Feldweg in einem riesigen Rapsfeld endet. So müssen wir zurückgehen und lange bis zur Straße nach Westen wandern, nachdem wir im Ort lange nach Osten gewandert waren.

Anschließend müssen wir noch fast 2 km auf der Landstraße wandern, was nicht so viel Spass macht. In Pressel rufen wir unsere Vermieterin an, die uns angeboten hat, uns heute abzuholen. In der Wartezeit kehren wir noch kurz zum Trinken ein.

Bad Düben – Pressel (1)

Pech gehabt

Als Ingrid in Bad Düben bei der Ferienwohnung anruft, wo wir vor einigen Wochen bereits waren, ist diese zwar frei, aber nur für zwei Tage. Das ist uns eigentlich zu wenig und wir sagen ab Leider finden wir keine andere und da Ingrid auf keinen Fall heimreisen will, entscheiden wir uns die Wohnung 2 Tage zu buchen. Doch der Vermieter ist noch unterwegs und wo seine Frau gerade ist, weiß er nicht. Wir fahren auf Gut Glück hin und da will die Vermieterin gerade wegfahren. Sie hat aber noch Zeit, uns in die Wohnung zu lassen und uns zu sagen, wir könnten bis Freitagmorgen bleiben.

Wir starten unsere Wanderung an der vor einigen Jahren neu gepflanzten Lutherlinde, an der wir auch auf unserem sächsisch-anhaltinischen Lutherweg vorbeigekommen sind.

Bad Düben hat heute knapp 8.000 Einwohne, sie wurde als Burg Diblin 981 erstmals erwähnt, die Burg ist heute noch das Wahrzeichen der Stadt und beinhaltet heute ein in Sachsen einmaligen Landschaftsmuseum. In der Burg wurde 1533 der berühmte Rechtsstreit zwischen Hans Kohlhaas und dem Junker Zaschnitz verhandelt, das Ergebnis befriedigt Kohlhaas nicht und da auch weitere Versuche Gerechtigkeit zu erlangen, wird er zum Rächer und endet schließlich am Galgen

Vor der Völkerschlacht bei Leipzig wohnte Napoleon drei schreckliche Tage auf der Burg, wie er es selbst beschrieb

Die kleine Stadt liegt in der nach ihr benannten Heide mit einer Gesamtfläche von rund 1000 km2, mehr als die Hälfte davon ist eine geschlossene Waldfläche. In den Landschafts- und Naturschutzgebieten findet man viele geschützte Pflanzen und Tiere, so der Sonnentau, verschiedene Orchideenarten, der Schwarzstorch und der Elbebiber.

Durch die Wittenberger Straße, einer Wohnsiedlung mit vielen Bäumen und teilweise großen Gärten kommen wir zur Bundesstraße und der Dübener Bockwindmühle. Sie stand seit 1840 in Glesien, nördlich von Leipzig und war bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in Betrieb. Wegen des Ausbaus des Flughafen Leipzig-Halle musste sie ihrem Standort verlassen und wurde in Bad Düben wieder aufgebaut und rekonstruiert.

Nach wenigen Schritten sind wir im Kurpark, gehen am Teich entlang zur Obermühle, die gerade saniert wird. Wir bleiben im Kurpark, vorbei an Kurhaus und Waldklinik kommen wir zum Kurgarten, in dem derzeit viele Rosen blühen. Durch den Friedhof und das Pesttor erreichen wir die Stadtkirche. Wir besuchen Burg Düben und sehen die interessante Schiffsmühle, die früher auf der Mulde ihren Dienst getan hat. Auf der strömungsreichen Mulde gab es zwischen Eilenberg und Bitterfeld um 1800 9 Schiffsmühlen. Jede Schiffsmühle besteht aus 2 Schiffen, das Hausschiff mit dem Mahlwerk und das Wellschiff mit dem großen Schaufelrad. 1956 wurde der Betrieb der letzten Schiffsmühle eingestellt.

Als nächstes gehen wir unter der Straßenbrücke kurz an der Mulde entlang und kehren über die Stadtmühle, die heute nicht mehr als Mühle zu erkennen ist, in die Dübener Altstadt zurück.

Am Rathaus warten wir einige Minuten, um unterhalb der Uhr die beiden Geißböcke beobachten zu können, die hier zu jeder vollen Stunde mit den Köpfen zusammenstoßen sollen, aber sie treffen sich um Haaresbreite nicht. Das ursprüngliche Uhrwerk wurde 1716 bei einem Stadtbrand zerstört und 2002 erhielt die Uhr zwei neue Ziegenböcke, an der Rückseite gibt es die Inschrift: „Möge in diesem Haus kein Bockmist gemacht werden.“