Schlagwort-Archive: Jakobsweg

Oberdorf – Niesky (2)

Bald erreichen wir wieder das Hochsteinsträßchen, dem wir mal steiler, mal flacher zum – seit 1930 unter Naturschutz stehenden – 406 m hohen Hochstein mit Bergbaude und Turm folgen. Wir erklimmen den Fels und ich zusätzlich den Aussichtsturm, obwohl sich der sehr windige Ausflug wegen der dunstigen Sicht eigentlich kaum lohnt.

189 blick v hochstein_Weiter folgen wir dem Jakobuszeichen, kommen am Teufels- und Kuckucksstein vorbei.

Fast hätten wir es verpasst, den Jakobusweg rechtzeitig zu verlassen, denn wir müssen ja nach Norden und nicht nach Westen. Es geht weiter bergab nach Tiemendorf und sofort wieder etwas bergan, ehe sich der Weg zu den Ullersdorfer Teichen senkt.

Nietheim – Oberkochen

Waldwanderung

 Wieder stellen wir unser Auto auf dem Parkplatz bei der Gaststätte ab und ich wundere mich, wie viel Betrieb auch am Montag hier herrscht. Schon bald erreichen wir den Wald, den wir erst kurz vor Oberkochen wieder verlassen. Wir müssen meist auf kiesigen breiten Waldwegen wandern, nur einmal von einem schönen Grasweg unterbrochen. Auch heute sehen wir wieder viele Pilze.

Als wir an einer Wegkreuzung Pause machen, überlegen wir uns, sollen wir dem kürzeren, aber vielleicht etwas beschwerlichen Albvereinsweg über einen Aussichtsfelsen folgen, oder dem ausgeschilderten Jakobusweg, der an einem Felsen, der als geologische Besonderheit beschrieben wird, vorbeiführt.

Wir entscheiden uns leider für die zweite Variante, die unangenehm steil einen rutschigen Kiesweg hinunterführt, was den Felsen auszeichnet, können wir als Laien nicht erkennen und dann müssen wir nahe des Waldrands eine fast endlose Strecke nach Süden wandern, wobei die Motorgeräusche der nahen Bundesstraße das Ganze nicht angenehmer machen. An einer kleinen Kapelle geht es dann endlich vollends hinunter nach Oberkochen, einer Kleinstadt mit knapp 8000 Einwohnern und dem Weltkonzern Zeiss als Hauptarbeitgeber. Interessant ist das optische Museum der Firma Zeiss. Die Gegend um Oberkochen war, wie entsprechende Funde belegen, schon in der Steinzeit besiedelt.

Wir unterqueren die Bundesstraße und gehen an der katholischen Kirche St. Peter und Paul vorbei in die Ortsmitte, wo der Brunnen an die Zeit der Bohrermacher im 19. Jahrhundert erinnert. Dann geht es immer steiler werdend bergauf zum Ortsrand, wo uns unser Saab erwartet.

 

 

 

Neresheim – Nietheim (2)

Unten im Tal schauen wir zunächst hinüber zum alten Bahnhof mit der Schättere, die heute am ersten Sonntag des Monats fährt. Die Schmalspurbahn führte ursprünglich von Aalen nach Dillingen und wurde in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts eingestellt.. Durch die rührigen Mitglieder des Museumsbahnvereins konnte 100 Jahre nach der Erstinbetriebnahme 2001 eine Teilstrecke von Neresheim in Richtung Dischingen wieder in Betrieb genommen werden, die Verlängerung bis nach Dischingen ist geplant und teilweise schon im Bau.

Durch das Städtchen Neresheim, eine alte Oberamtsstadt und heute noch Sitz eines Amtsgerichts gehen wir zur Egauquelle und weiter im Tal nach Westen, von hinten bläst ein kalter und böiger Ostwind. Zuerst geht es durch Felder, dann am Waldrand entlang, es ist schön zu wandern, nur der Autolärm stört auch, als wir durch ein kurzes Stück Wacholderwiese wandern.

Dann überqueren wir die Straße und wandern im Wald weiter. Da es kein Bänkchen gibt und auch keine Baumstämme, setzen wir uns in der Sonne ins Gras, eine nicht so gute Entscheidung, denn hier sind viele bissige Ameisen unterwegs und alle 3 haben wir damit früher oder später Probleme. Am schlimmsten trifft es Della, die sich herumwälzt, um dem Jucken zu entgehen, dabei macht sie wohl eine ungünstige Bewegung und kann die rechte Hinterpfote nicht mehr richtig benützen und auf 3 Beinen wandert es sich schlecht. So kommt sie in den Buggy, obwohl wir auf einem schönen Grasweg wandern.

Neresheim – Nietheim

Unsinnige Wegverlegung

Zunächst besuchen wir das Benediktinerkloster Neresheim mit seiner berühmten Klosterkirche, wie wenn wir es noch nie gesehen hätten, leider ist im Innenraum für das heutige Konzert eine Bestuhlung, die die Bewegungsfreiheit und die Fotografiermöglichkeiten doch ziemlich einschränkt.

Die Abteikirche gilt als eine herausragende Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg und ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung und ein Kulturgut von europäischem Rang.

1750 wurde der Bau nach Plänen des berühmten Baumeisters Balthasar Neumann begonnen und mehr als 40 Jahre später. Die Kirche beeindruckt durch den hellen weißen und freundlichen Innenraum, durch den die leuchtenden Fresken von Martin Knoller besonders zur Wirkung kommen. Ein besonderes Erlebnis ist ein Konzert auf der barocken Orgel von Johann Nepomuk Holzhay.

Esslingen – Wolfschlugen (2)

Ein Tag an dem man besser nicht gewandert wäre.

In Denkendorf geht es bei fast trockenem Wetter wieder eine lange Treppe abwärts, später erkennen wir, es wäre wohl kürzer gewesen, nicht der Markierung sondern der Straße zu folgen.

Die nach einer Urkunde 900 Jahre alte Gemeinde hat aber noch ältere Wurzeln, denn schon die Kelten haben hier gesiedelt. Vorbei an einigen hübschen Fachwerkhäusern kommen wir zur ehemaligen Klosteranlage, hier vermeide ich mit Della die Treppe und gehe steil die Straße bergauf.

Die Klosterkirche wurde von den „Chorherren vom heiligen Grab“ um 1200 erbaut, der Turm geht auf eine Vorgängerkirche zurück, in der Reformation evangelisch und als protestantische Klosterschule genützt.

Hinter Denkendorf machen wir Rast, die wir abkürzen, als wieder die ersten Tropfen fallen. Aber der Regen wird nicht stärker, sondern ganz im Gegenteil, als wir die Autobahn unterqueren, kommt kurzfristig die Sonne zum Vorschein.

Um zu einem vernünftigen Busanschluss zu kommen, verlassen wir die ausgeschilderten Wege und gehen in Richtung Wolfschlugen, noch im Wald werden wir vom nächsten längeren Regenschauer überrascht, als dieser endlich nachlässt, können wir nach Wolfschlugen weitergehen. Dort haben wir noch Zeit, denn wir haben uns entschieden, die einzige direkte Verbindung nach Esslingen zu wählen, in einer Bäckerei essen wir etwas. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt.

Der Bus kommt pünktlich, aber schon nach kurzer Fahrt nervt ein Piepton, scheinbar meldet das Türsystem eine noch offene Tür, obwohl alle geschlossen sind. Bei jedem Halt öffnet und schließt der Fahrer mehrmals die Türen, doch nur für wenige Augenblicke verstummt das nervtötende Geräusch.

Frickenhausen – Altenriet (1)

Schaulaufen

Nach unserem zugbedingten Abstecher nach Neuffen setzen wir unsere Wanderung in Frickenhausen, das wir ja letztes Mal schon berührt hatten, fort. Bereits als wir in den Ort hineinkommen, sehen wir viele Menschen in eine Richtung strömen, da irgendeine Festivität heute hier stattfindet. Wir stellen unser Auto etwas weiter entfernt bei Bahnhof Theaterspinnerei ab. Wir schließen uns den Menschenstrom an, besuchen noch kurz die heute evangelische Kirche „Zu unserer lieben Frau“, sie beherbergt Kunstschätze aus der Entstehungszeit im 15. Jahrhundert, darunter eine Büste des heiligen Jakobus.

Direkt hinter der Kirche ist die Straße schon von vielen Besuchern gesäumt, die auf einen Festzug warten. Da auf dem Fußweg kein Platz mehr zum Gehen ist, stellen Della mit ihrem Buggy und ich gewissermaßen die Vorhut für den Festzug dar und wir erregen auf dem nächsten knappen Kilometer viel Aufsehen. Daher bin ich froh, als wir die Stelle erreichen, wo wir eigentlich die Festzugstrecke verlassen können, weniger froh bin ich, dass Ingrid auf den Festzug warten will und auch fast den ganzen Festzug ansieht, sodass wir erst eine Stunde später weiterwandern können.

Bald sind wir im Wald, allerdings ist die Freude auf Naturboden zu wandern, doch etwas kurz, aber die gekiesten Waldwege sind noch akzeptabel. Wir überqueren die Bundesstraße und gehen nicht direkt nach Großbettlingen hinein, sondern machen einen Bogen über den Geigenbühl mit schönen Ausblicken in Richtung Alb.

Lonetal – Osterstetten

Obwohl es morgens noch wolkig ist, begrüßt uns gegen 8 Uhr zu Wanderbeginn im Lonetal bereits ungetrübter blauer Himmel. Da die Lone trotz der Hitzewelle immer noch Wasser führt, kann Della mehrmals baden.

Zuerst gehen wir noch in der Sonne, dann verlassen wir am östlichen Waldrand durch nasses Gras das Tal und steigen empor, um wenig später in Richtung Sätzlingen abzusteigen, vor dem Ort wenden wir uns nach Westen und durch Felder gehen wir parallel zur Straße wieder bergauf.

Da der Muschelweg nur durch offene Felder, überwiegend auf asphaltierten Wegen oder Straßen verläuft, wandern wir auch weiterhin eine eigene Route, kommen erneut ins Lonetal hinunter und unterqueren die Autobahnbrücke. In der Karte ist eindeutig ein Weg eingezeichnet und wir können ihn auch noch erahnen, doch immer wieder stellen sich Disteln und vor allem Brennnessel entgegen, bald müssen wir kurzfristig am Rande einer Wiese weitergehen, die gerade gemäht wird.

Dann führt ein geteerter Weg an einer Stelle in den Wald, wo laut Karte gar kein Weg verzeichnet ist, wir gehen kurz zurück, um die Lone zu queren. Doch es gibt nur eine Furt und glücklicherweise verzichten wir, diese zu benutzen, denn der Waldweg führt uns nach kurzem Anstieg bald wieder ins Lonetal hinunter. Romantisch geht es an der Lone und an schönen Jurafelsen weiter, bis wir zum Felsen „Fohlenhaus“ kommen, wo wir am direkt am Flüsschen Rast machen. Hier finden wir im Frühjahr große Märzenbecherflächen.

An der nächsten Kurve soll uns ein Weg auf die Hochfläche bringen, auch dieser Weg ist mehr zu erahnen als zu erkennen, mal müssen wir in den Wald ausweichen und dann einen Querweg benützen, schließlich treffen wir aber dann doch wieder auf den Muschelweg. Kurz geht es noch im Wald weiter, dann über freies und sonniges Gelände bis nach Osterstetten, wo uns ein aufgeheiztes Auto erwartet.

Reudern – Neuffen (1)

Auf Abwegen

Eigentlich war nur die Frage, wandern wir nur bis Großbettlingen oder bis Neckartailfingen und dann war schließlich Neuffen, weitab vom Jakobsweg, der Endpunkt. Warum? Ganz einfach, Ingrid hat beim Surfen festgestellt, dass das Sofazügle an diesem Sonntag von Neuffen nach Nürtingen unterwegs ist und diese Zugfahrt in nostalgischer Umgebung wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen.

Wir stellen das Auto in Reudern ab und hinter dem Sportplatz geht es auf einem Grasweg in den Wald, kurz geht es auf einem Trampelpfad, ehe wir dann auf geschotterten Waldwegen weiterwandern. Als der Weg einen scharfen Linksbogen macht, folgen wir stattdessen einem ehemaligen Naturweg steil nach rechts, leider ist das Gehen nicht so angenehm, da Holztransportmaschinen mit ihren Rädern den Weg fast zerstört haben. Bald treffen wir wieder auf den Jakobsweg und machen am 2003 errichteten Jakobsbrunnen Pause.

Vorbei an einigen Mammutbäumen kommen wir zum Waldrand und gehen hinunter nach Frickenhausen. An der Kirche informiert eine Frau eine Gruppe über den Jakobsweg, wir hören kurz zu und verlassen dann den Jakobsweg. Kurz gehen wir an einem Bächlein entlang. Ehe wir auf einer Straße den Ort verlassen. Am Friedhof vorbei kehren wir im Wald in einem weiten Bogen zu der Straße zurück, der wir in Richtung Tischardt folgen. In Sichtweite des Ortes wenden wir uns an einer Pferdekoppel mit einer großen Herde nach links zum Wald und treffen bald auf den Wanderweg nach Neuffen. Anfang verläuft er auf Naturboden in der Nähe eines Bächleins, später auf geschotterten Waldwegen. Als wir den Wald verlassen, haben wir schöne Ausblicke auf den Hohenneuffen und die Teck.

Giengen – Lonetal (2)

Da wir in der Stadt natürlich nicht auf die Muschelzeichen geachtet haben, verlassen wir die Stadt auf dem Albrandweg und treffen erst auf der Albhochfläche wieder auf den Jakobusweg. Bald senkt sich unser schattenloser Asphaltweg ins Hürbetal und zum gleichnamigen Ort Hürben. Dabei treffen wir auf das Jakobswegle, auf dem die wichtigsten Stationen bis Santiago di Compostella auf wenigen Kilometern zu erwandern sind. Auch hier ist noch der frische, manchmal böige Wind zu spüren. Vorbei an der letzten Häuserreihe erreichen wir bald den Waldrand und Della badet in der Hürbe. Auf Höhe der Charlottenhöhle wechseln wir die Talseite und verlassen erneut unseren vorgegeben Weg. Vorbei am Höhlenhaus steigen wir dann den Zeitenweg hoch zur 1893 entdeckten Charlottenhöhle, mit 532 ist sie eine der längsten Tropfsteinhöhlen Süddeutschlands und sie wurde nach der zweiten Frau des württembergischen Königs Wilhelm II benannt.

Leider reicht die Zeit nicht für einen Besuch, stattdessen gehen wir weiter aufwärts zur bewaldeten Hochfläche und dann etwas abwärts zur Kaltenburg, die sich über dem Zusammenfluss von Lone und Hürbe erhebt. Die vermutliche Stammburg des Reichsgrafen Heinrich von Kalden wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Außer einigen Mauerresten blieben nur die beiden sanierten Vierecktürme erhalten. Die von Pyramidendächern bekrönten verputzten Turmbauten gelten als Wahrzeichen der Burg und prägen die Ansicht aus dem Tal.

Wir steigen bis ins Lonetal ab, durchqueren das Tal – Della hat es wieder gut, denn die Lone führt noch Wasser. Kurz noch am Waldrand und dann steigen wir auf sehr sonnigen Waldsträßchen hinauf zum Bettelmannsgrab, wo mir Ingrid die dort aufgeschriebenen Sprüche vorliest. Ein Naturpfad führt uns zu einer eisernen Brunnenpumpe vorbei, allerdings bringt auch die intensive Nutzung des Brunnenschlegels kein Wasser hervor, doch Della findet die einige Meter tiefer liegende Quelle. Wir stärken uns derweil mit sonnenwarmen Himbeeren. Kurz vor Stetten wird es dann sonnig und heiß, auch der Besuch in der Kirche bringt nur eine kurze Erfrischung, zumal der Weg auch nach Stetten bis zum Waldrand sonnig bleibt.

Stetten war eine Ausbausiedlung der Merowingerzeit, von 1637 an im Besitz der Herren von Riedheim zu Kaltenburg, 1821 kam der Ort an die Grafen von Maldeghem. Das Schloss und die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt bilden eine Einheit. Schloss Stetten wurde 1583 von der Familie von Riedheim erbaut und 1712 barock umgestaltet, als bewohnter Privatbesitz kann es nicht besichtigt werden. Direkt neben dem Schloss befindet sich die barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt von 1733. Im barocken Deckenfresko tummeln sich viele Putten. Ein Putto zeigt sein bloßes Hinterteil – geradewegs in die Richtung, in der der Graf zu sitzen pflegte. Es war die Rache der Bauleute, die sich über geringe und säumige Lohnzahlungen ärgerten.

Nahe bei Stetten liegt die Vogelherdhöhle, sie war, was die Funde betrifft, die reichste Höhe des Lonetals. In 11 Schichten sind viele Tierreste nachgewiesen, darunter verschiedene Wildpferd-, Wildrind-, Elefanten- und Fuchsarten. Weltberühmtheit erlangte die Vogelherdhöhle durch Tierfiguren aus Mammut-Elfenbein (Lonetalpferd), die Gustav Riek hier 1931 ausgegraben hat. Sie sind nach neuesten Forschungen vor etwa 40 000 Jahren angefertigt worden und gehören damit zu den ältesten bislang bekannten kunsthandwerklichen Gegenständen der Erde. Allerdings führt der Jakobusweg nicht daran vorbei.

Zunächst am Waldrand und dann durch den Wald gehen wir in Richtung Lindenau. Nach einer etwas längeren Pause steigen wir – abweichend vom Jakobusweg und das Örtchen links liegen lassend – wieder ins Lonetal hinunter. Meine Warnung, es könnte problematisch werden, auf der westlichen Talseite ohne Weg im Schatten zu gehen, hält Ingrid für unbegründet. Doch bereits nach wenigen Metern kommt die Lone ganz nahe an den Berg und den Wald heran und wir müssen uns durch hohes Gras, Disteln und vor allem Brennnesseln unseren Weg bahnen. Manchmal hat es den Anschein, als ginge es nicht weiter, aber irgendwie schaffen wir es doch und nach ca. 200 m können wir auf einer gemähten Wiese bequem gehen. Das Lonetal ist eines der natur- und kulturhistorisch interessantesten Täler der schwäbischen Alb mit einer Vielzahl von Höhlen.

Dann sehen wir den Parkplatz mit unserem Auto schon ganz nahe vor uns, allerdings führt nur eine nicht sehr tiefe Furt durch die Lone, aber die Betonfläche im Wasser sieht rutschig aus und so müssen wir bis zur Straßenbrücke gehen, doch die ist viel weiter entfernt als gedacht. Wir fahren zurück nach Giengen und ich mit Della nach Hause, denn in der Hitze wäre ein Stadtbummel nichts für sie und im Auto können wir sie unmöglich lassen. Ingrid schaut sich aber noch im Städtchen und bei Steiff um.

Giengen – Lonetal (1)

„Ein feines, lustiges Reichsstädtchen…, hat ein stattliches Spital“ – so kennzeichnet Zeiller-Merian in seinem Itinerarium Germaniae 1632 das alte Giengen. Alemannengräber im nördlichen Stadtgebiet geben Kunde davon, dass die Siedlung Giengen bis in die Merowingerzeit zurückreicht. Mit nur 1800 Einwohnern in der Blütezeit reichsstädtischer Selbstständigkeit gehörte Giengen mit Isny, Aalen, Bopfingen zu den kleinsten reichsunmittelbaren Städten des Schwabenlandes. Sein wirtschaftliches Gedeihen beruhte zum Teil darauf, dass es wahrscheinlich schon seit dem 11. Jahrhundert eine königliche Pfalz war, die unter den staufischen Kaisern zu Bedeutung gelangte. Giengen erhielt 1171 vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa das Stadtrecht und wurde 1368 zur freien Reichsstadt. Die rasch erblühende freie Reichsstadt wurde 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen niedergebrannt.

Im 19. Jahrhundert blühte das wirtschaftliche Leben auf mit der Gründung der Württembergischen Wollfilzmanufaktur und der von Margarete Steiff ins Leben gerufenen Plüschtier- und Puppenfabrik, deren Produkte bald Weltberühmtheit erlangten. Margarete Steiff wurde 1847 in Giengen geboren, im Alter von 2 Jahren wurde sie durch Polio an beiden Beinen gelähmt, auch die rechte Hand blieb geschwächt. Doch sie lernte nähen, hierzu verwendete sie den hier hergestellten Wollfilz für Kleidung und Haushaltswäsche, die sie ab 1877 in einem Filzkonfektionsgeschäft vertrieb. 1880 hatte sie die Idee einen Elefanten aus Filz herzustellen, der bald reißenden Absatz fand. Später kamen andere Tiere, wie Esel, Pferd und Schwein hinzu. Ihr Neffe Richard Steiff kreierte 1902 einen Bären aus zotteligem Mohair, der wenige Monate später auf der Leipziger Messe zunächst nur wenig Interesse fand. Ein Käufer aus Amerika orderte jedoch kurz vor Messeschluss noch 3000 Spielzeugbären. Jenseits des Großen Teiches wurde der Steiff-Bär rasch zur Kultfigur, hatte er doch eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem kleinen Bären, den der leidenschaftliche Jäger und US-Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt verschont hatte und der jetzt in Roosevelt-Karikaturen als ständiger Begleiter des Präsidenten vorkam. Damit begannen der Siegeszug des „Teddy-Bären“ und damit die Entwicklung der Firma Steiff zum Großunternehmen. Der Bärenkopf wurde nun zum Markenzeichen, das auch als „Knopf im Ohr“ Verwendung fand. Die Firmengründerin Margarete Steiff starb 1909.

Steiffmuseum Giengen

In der Fußgängerzone begegnen uns die ersten Bären an der Wand oder auf Pfosten und in der Marktstraße ist für uns ein roter Teppich ausgelegt, na ja, vielleicht auch, weil an diesem Wochenende Steiff sein Sommerfest feiert. Das nicht nur für Kinder sehenswerte Museum „Die Welt von Steiff“, wurde als moderner Rundbau 2005 erbaut. Das Museum mit Erlebnischarakter und Schaufertigung zeigt auf einer Fläche von 2400 qm die 125-jährige Geschichte der Steifftiere.

Wir besuchen noch kurz den kleinen Skulpturenpark an der alten Stadtmauer, dessen 9 Skulpturen im Jahre 2004 gefertigt und aufgestellt wurden. Wir grübeln über den Spruch auf einer Tafel an einem alten Haus nach:

recht schaffen,

rechtschaffen,

Recht schaffen.