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Pressel – Weidenhain (1)

Kalt erwischt

Als wir uns gerade fertigmachen, fängt es an zu tröpfeln, hört aber gleich wieder auf und als wir endlich mal im Internet die Wettervorhersage aufbekommen, denn heute will das W-lan nicht so richtig, werden ab der Mittagszeit Schauer vorhergesagt und wir überlegen, was wir tun sollen. Die nächste, kürzere Etappe vorziehen oder ein Museum besuchen oder das Risiko eingehen?

Dabei verrinnt die Zeit und wir können im Internet nicht einmal die Busverbindungen klären, daher fahren wir an eine Stelle, wo Ingrid surfen kann. Jetzt hat sich die Wettervorsage gründlich geändert, von Regen und Schauer keine Spur mehr, von Stunde zu Stunde soll es schöner werden, also ist es kein Problem, dass ich meinen Schirm in der Ferienwohnung vergessen habe.

Direkt an der Bushaltestelle in Pressel beginnen wir unsere Wanderung und treffen bald auf den Kögel-Wanderweg, der zu Ehren des Weltumwanderers im 19. Jahrhundert, der aus Pressel stammte und hier seine Wanderung begonnen und beendet hat. Wir gehen durch die Feldflur und immer wieder werden auf Tafeln Orte dargestellt, die der Wanderer besucht hat.

Friedrich Gustav Kögel, geb. 1860 und nach seiner Schneiderlehre wanderte er nach Amerika aus und ist 1947 in Chicago gestorben, gilt mit seinem Freund als der erste Globetrotter. Aufgrund einer Wette einer amerikanischen Zeitung  Innerhalb von 2 Jahren wanderten die beiden auf einer vorgeschriebenen Route um die Erde, was weltweit in den Medien gewürdigt wurde. Ihren Unterhalt verdienten sie mit Zeitungsberichten, Vorträgen und Fotografien.

Wir treffen auf den Lutherweg und nach einem nicht sehr langen Waldstück kommen wir zur Bundesstraße, zunächst können wir auf einem Radweg neben der Straße gehen, doch bei Neumühle ist dieser zu Ende und es wird sehr eng auf der stark befahrenen Straße. Doch bald biegt der Lutherweg in den Wald ab.

Bad Düben – Pressel (2)

Wir verlassen das Städtchen und gehen auf dem Lutherweg, der identisch ist mit dem Torgischen Weg ist, durch Felder, wo dem Lärm nach gerade Getreide geerntet wird. Wieder einmal kreisen einige Milane über uns.

Lange wandern wir an der Grenze eines Standortübungsplatzes entlang, jetzt bläst mitunter starker und sehr kühler Wind von hinten, was bei einem verschwitzten Rücken suboptimal ist.

Als der Weg durch den militärischen Sperrbezirk führt, wählt Ingrid eine Variante am Waldrand und der Grenze des Übungsplatzes entlang, was die Wanderung etwas verlängert. Kurz vor Authausen sehen wir zwei Bockwindmühlen und im Ort ist eine hübsche Feldsteinkirche. Sie stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, trotz der Erweiterung von 1830 ist der romanische Ursprung noch zu erkennen.

Die Bockwindmühlen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden teils mit Öl- oder Elektromotors bis 1975 bzw. 1985 betrieben, die Ludwigmühle ist seit 2008 eine funktionstüchtige Schauanlage.

Um morgen eine vernünftige Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr zu haben, entscheiden wir uns abweichend vom Lutherweg nach Pressel zu wandern. Auf beiden uns zur Verfügung stehenden Wanderkarten, eine davon ganz neu, ist ein Feldweg von Authausen nach Pressel eingezeichnet. Wir finden auch den Anfang und gehen frohgemut nach Süden. Doch das ändert sich, als der Feldweg in einem riesigen Rapsfeld endet. So müssen wir zurückgehen und lange bis zur Straße nach Westen wandern, nachdem wir im Ort lange nach Osten gewandert waren.

Anschließend müssen wir noch fast 2 km auf der Landstraße wandern, was nicht so viel Spass macht. In Pressel rufen wir unsere Vermieterin an, die uns angeboten hat, uns heute abzuholen. In der Wartezeit kehren wir noch kurz zum Trinken ein.