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Neresheim – Nietheim (2)

Unten im Tal schauen wir zunächst hinüber zum alten Bahnhof mit der Schättere, die heute am ersten Sonntag des Monats fährt. Die Schmalspurbahn führte ursprünglich von Aalen nach Dillingen und wurde in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts eingestellt.. Durch die rührigen Mitglieder des Museumsbahnvereins konnte 100 Jahre nach der Erstinbetriebnahme 2001 eine Teilstrecke von Neresheim in Richtung Dischingen wieder in Betrieb genommen werden, die Verlängerung bis nach Dischingen ist geplant und teilweise schon im Bau.

Durch das Städtchen Neresheim, eine alte Oberamtsstadt und heute noch Sitz eines Amtsgerichts gehen wir zur Egauquelle und weiter im Tal nach Westen, von hinten bläst ein kalter und böiger Ostwind. Zuerst geht es durch Felder, dann am Waldrand entlang, es ist schön zu wandern, nur der Autolärm stört auch, als wir durch ein kurzes Stück Wacholderwiese wandern.

Dann überqueren wir die Straße und wandern im Wald weiter. Da es kein Bänkchen gibt und auch keine Baumstämme, setzen wir uns in der Sonne ins Gras, eine nicht so gute Entscheidung, denn hier sind viele bissige Ameisen unterwegs und alle 3 haben wir damit früher oder später Probleme. Am schlimmsten trifft es Della, die sich herumwälzt, um dem Jucken zu entgehen, dabei macht sie wohl eine ungünstige Bewegung und kann die rechte Hinterpfote nicht mehr richtig benützen und auf 3 Beinen wandert es sich schlecht. So kommt sie in den Buggy, obwohl wir auf einem schönen Grasweg wandern.

Neresheim

Das Benediktinerkloster Neresheim liegt hoch auf dem Ulrichsberg über der Stadt Neresheim und dem Egautal. Im Jahr 1095 gründete der Gaugraf Hartmann von Dillingen hier ein Chorherrenstift. In der wechselhaften Geschichte kam die Anlage auch in den Besitz des Fürstenhauses von „Thurn und Taxis“ und hieß von nun an „Schloss“ Neresheim. Erst 1920 wurde das Kloster wieder von Benediktinern besiedelt, heute bilden 14 Mönche den Konvent.

Die Abteikirche als geistliches und architektonisches Zentrum der Klosteranlage gilt als eine herausragende Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg und als Denkmal nationaler Bedeutung. Der Bau wurde 1750 nach Plänen von Balthasar Neumann begonnen, 42 Jahre später wurde die Kirche geweiht. Von 1966 bis 1975 musste die baufällig gewordene Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen werden.

Die Abteikirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Spätbarock. Als letzte reife architektonische Schöpfung Balthasar Neumanns kommt ihr in der europäischen Kunstgeschichte eine besondere Stellung zu. Neumann wählte als Grundrissform das lateinische Kreuz und es ist ihm gelungen, Lang- und Zentralraum zu einem monumentalen Gesamtraum zu verschmelzen.. Darüber wölben sich sieben Kuppeln. Die von vier freistehenden Säulenpaaren getragene Hauptkuppel misst in der Längsrichtung 24 m, in der Breite 20 m, sie schwingt sich in eine Höhe von 32 m auf. Die Kirche misst in ganzer Länge 83 m und die Breite des Querschiffs beträgt 35 m.

Im Innenraum der Kirche sind wir beeindruckt von der Fülle des Lichts, das durch die zahlreichen Seitenfenster eindringen kann, den schwingenden Linien der Architektur und die großartigen Kuppelbilder des Tiroler Malers Martin Knoller. Die sieben großen, von Farbigkeit und Plastizität der Figuren und Perspektiven gezeichneten Freskenbildern zeigen einen Christuszyklus auf. Das Bild in der Hauptkuppel „Anbetung der Dreifaltigkeit“ umfasst mehr als 200 Heiligen- und Engelsfiguren. Der Hochaltar mit dem 6,60 m hohen Kruzifix stammt von Thomas Schaidhauf, wie auch die ganzen Altäre und sämtliche Stuck- und Marmorarbeiten. Der 66 m hohe Kirchturm wurde von der früheren romanischen Kirche übernommen. Die Fassade ist mit 4 m hohen Steinplastiken der Schutzpatrone, den Heilligen Ulrich und Afra, geschmückt und über dem Hauptportal sind die Worte eingemeißelt: „Dies ist Gottes Haus“.

Auf dem Weg ins Tal hören die Schättere pfeifen und sehen sie qualmen, wir beeilen uns, um sie noch am Bahnhof fotografieren zu können.

Von 1901 bis in die 60-iger Jahre dampfte die Härtsfeldbahn auf 55 km von Aalen hinauf aufs Härtsfeld und fuhr über Dischingen bis nach Dillingen. Sie galt als eine der spektakulärsten Bahnlinien in Deutschland und als Prototyp der schwäbischen Eisenbahn. Wie eine Gebirgsbahn überwand sie den Höhenunterschied von Aalen auf die Ostalb. Die letzten Jahre vor der Stilllegung 1972 fuhr noch ein Schienenbus, dann wurden die Gleise abgebaut.

Seit einigen Jahren dampft die schmalspurige Härtsfeld-Museumsbahn Schättere wieder. Sie verkehrt an jedem 1. Sonntag in den Monaten von Mai bis Oktober sowie an verschiedenen Feiertagen. Es fahren Dampflokomotiven (Baujahr 1912) mit Personenwagen von 1888, 1896 und 1909, der Triebwagen stammt von 1934 auf der Strecke von Neresheim bis zur Sägmühle, eine Strecke von 3 km, eine Verlängerung der Bahnstrecke bis zum Härtsfeldsee und weiter nach Dischingen ist geplant. 1986 öffnete das Härtsfeldbahn-Museum im Neresheimer Bahnhof seine Pforten. Seither entstand auf dem ehemaligen Gelände der Centralstation (Betriebsmittelpunkt) die Gleisanlage mit der beachtlichen Fahrzeugsammlung.