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Ulm (Messe) – Erbach (1)

Ulm (Messe) – Erbach

Auf der Fahrt nach Ulm holen wir zuerst Marion und Jörg ab, die uns bei unserer heutigen Tour begleiten. Am entferntesten Messeparkplatz stellen wir unser Auto ab. Wir gehen zunächst oberhalb der Donau auf dem Uferweg, nach dem Messegelände machen wir einen kurzen Abstecher in die parkähnlichen Donauauen, ehe wir dann das Zentrum Ulms, der alten Reichsstadt am linken Ufer der Donau, erreichen.

Ulm ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des württembergischen Oberlandes. Funde deuten auf eine jungsteinzeitliche Besiedlung im Stadtgebiet hin. Die Anfänge der Stadtgründung legen vermutlich im 11. Jahrhundert, dank der günstigen Verkehrslage an der Donau und am Schnittpunkt wichtiger Straßen entwickelte sich die Stadt im Mittelalter zu einem Handelszentrum. Im 30-jährigen Krieg verlor Ulm seine wirtschaftliche und politische Macht und kam nach wechselnden Herrschaften 1810 zu Württemberg. Der Astronom Kepler lebte und arbeitete in Ulm, Albrecht Berblinger, der „Schneider von Ulm“, der als erster Mensch fliegen wollte, war hier zu Hause. Albert Einstein wurde in Ulm geboren und der Dominikanermönch Felix Fabri, ein bedeutender Pilger des Mittelalters lebte hier. Er hat 1492 die „Sionspilgerin“ verfasst, eine mit Gebetsbetrachtungen durchsetzte Pilgerfahrt im Geiste, die die Pilgerfahrt nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela beschreibt.

Wir wandern auf der Stadtmauer entlang und schauen hinüber zur Altstadt, ehe wir in das überaus malerische und mit Sachkenntnis restaurierte Fischer- und Gerberviertel an der Blau gelangen. Beeindruckend ist das Hotel „Schiefes Haus“ aus dem 15./16. Jahrhundert, das in mittelalterlichem, angeblattetem Fachwerk auf Stützen in die Blau vorgebaut ist. Es handelt sich um eines der ältesten Fachwerkwohnhäuser der Stadt und wurde vor einigen Jahren sorgfältig restauriert, nachdem es zuvor in einem sehr schlechten Zustand war, wie wir anhand älterer eigener Fotos wissen.

Leicht ansteigend erreichen wir nach wenigen Metern das gotische Rathaus und die moderne Bibliothek. Das Rathaus ist das bedeutendste profane Baudenkmal Ulms und eines der schönsten in Süddeutschland. 1370 als Kaufhaus errichtet, wird das Gebäude seit 1419 als Rathaus genutzt. Die prachtvollen Wandmalereien und der reiche figürliche Schmuck stammen aus dem 16. Jahrhundert, u.a. ist ein Bild eines der von Ulmer Schiffleuten gebauten und regelmäßig donauabwärts geführten Ulmer Schachtel zu sehen. Am Ostgiebel des Rathauses ist eine kunstvolle astronomische Uhr von 1520 angebracht.

Immer wieder überrascht in Ulm das gekonnte Zusammenspiel von Historischen und Modernem. Denn in direkter Nachbarschaft zum Rathaus steht die ganz moderne, im Jahre 2005 erbaute Neue Stadtbibliothek. Der 28 x 28 m große pyramidenartige Bau des Kölner Architekten Gottfried Böhm hat eine Höhe von 36 m, herausragendes Merkmal sind jedoch die fast komplett aus Glas bestehenden, fast 5000 qm großen Pyramidenflächen.

Unweit des Marktplatzes erhebt sich am Münsterplatz das Wahrzeichen Ulms. Das Ulmer Münster wurde 1377 begonnen, dann bis 1529 fortgeführt und erst von 1844-1890 fertig gestellt, beteiligt waren so bedeutende Baumeistersippen wie die Parler, Ensinger und Böblinger. Das Münster ist nach dem Kölner Dom die größte gotische Kirche Deutschlands. Der hochragende Turm, unter Ulrich von Ensingen 1392 begonnen, 1880 bis 1890 vollendet, ist mit 161,5 m Höhe der höchste Kirchturm der Welt und damit gut 4 m höher als der Kölner Dom. Gut trainierte Besucher können bis zur Kranzgalerie (143 m) hochsteigen und dann als Lohn für die Mühe einen herrlichen Rundblick genießen, doch auf einer Wanderung bleibt dafür keine Zeit. Neben dem Münster sieht man als postmoderner Blickfang das 1993 fertig gestellte, leuchtend weiße Stadthaus des amerikanischen Architekten Richard Meier. Es umfasst u.a. einen Konzert- und Vortragssaal sowie Ausstellungsräume mit einer gesamten Nutzfläche von 3000 qm.