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Nossen – Munzig (1)

Fast lebensgefährlich

Wie angekündigt ist das Wetter am Morgen trüb und regnerisch, erst nach 11 Uhr reißt es auf und erste blaue Fetzen sind am Himmel zu erkennen.

Lange war nicht klar, wie wir Nossen verlassen sollten, drei Möglichkeiten boten sich an, wobei die Wahl auch erschwert wurde, da die Karten einen unterschiedlichen Verlauf der Bundesstraße 102 angeben. Die vielleicht schönste Version mit einem weiten Umweg entlang der Mulde schied wegen der Länge eigentlich aus und wir wählten die Variante über eine Landstraße und ein Industriegebiet. Noch in einem Wohngebiet führt uns ein missverständlich angebrachtes Wanderzeichen in die Irre und ein in der Karte eingezeichneter, in Wirklichkeit aber nicht vorhandener Weg kostete uns mehrere hundert Meter Umweg.

Gemäß dem richtigen Wanderzeichen gehen wir auf der Landstraße weiter, allerdings herrscht hier überaus reger Verkehr und das ist mit dem Buggy doch etwas bedrohlich, zumal einige Fahrer, die uns entgegenkommen, wohl meinen, noch auf der Autobahn zu sein, denn die Abfahrt ist nur wenige Kilometer entfernt und die uns überholenden Fahrer wähnen sich schon auf der Autobahn.

Aber irgendwie überstehen wir die 3-4 km unbeschadet, dann geht es durch ein eigenwilliges Industriegebiet, denn mittendrin ist eine alte Wohnsiedlung, aber vielleicht bietet das Industriegebiet den Anwohnern einen gewissen Schutz vor dem Autolärm auf der Autobahn. Doch zunächst gibt es wieder mal Probleme mit den Fotoapparaten, meine große Digi deutet schon den ganzen Morgen an, dass die Batterie langsam leer wird und ich bin daher sparsam mit dem Fotografieren. Jetzt ist Ingrids Film scheinbar voll, sie will zurückspulen und danach den Apparat öffnen, doch der Film ist beim Öffnen noch nicht zurückgespult und als sie die Kamera wieder schließt, zeigt die Anzeige einen Fehler an und nichts geht mehr. Bei einem Anruf bei unserem heimischen Fotohändler gibt dieser uns den entscheidenden Tipp und Ingrid kann den Film wechseln.

Roßwein – Nossen (2)

Das Kloster wurde 1162 von Markgraf Otto, dem Reichen gegründet und von den Ziesterziensern aufgebaut und diente auch als Grablege der Wettiner. Altzella entwickelte sich zu einem der wichtigsten Klöster Mitteldeutschlands, hier lebten bis zu 250 Mönche und beherbergte eine bedeutende wissenschaftliche Bibliothek. Nach der Reformation wurde das Kloster 1540 aufgelöst und von sächsischen Landesherren in Besitz genommen. Teile der Klosteranlage wurden abgerissen, um Baumaterial für die Nossener Stadtkirche und das Schloss zu erhalten. 1804 wurde das Mausoleum im klassizistischen Stil vollendet, nachdem die vorherige Gragkapelle unvollendet blieb.

Wie besuchen den interessanten Klosterpark mit seinen Ruinen und dem Mausoleum, naja, den Klostergarten haben wir – ich meine glücklicherweise – übersehen, dann essen wir noch einen Kuchen im hübschen Gartencafe der Anlage. Auf dem Radweg, der aber überwiegend auf der Straße verläuft, erreichen wir das bereits 1185 erstmals urkundlich erwähnte Nossen, um dort festzustellen, dass es auch einen Fußweg gegeben hätte. Am Bahnhof vorbei steigen wir in Nossen hoch und schauen uns die Kirche und das Schloss von außen an.  

Das Renaissanceschloss Nossen liegt hoch auf einen Felsvorsprung über der Freiberger Mulde und hat eine fast 850 jährige Geschichte. Es wurde als Ritterburg, Bischofs- und Abtsitz sowie als kurfürstliches Jagd- und Amtsschloss genutzt. Man  findet Spuren aus dem Mittelalter ebenso wie aus der kurfürstlichen Zeit, z.B. mit den Bemalungen der Wand- und Deckenbereiche aus der Renaissance. Heute kann man das Schloss mit den historischen Räumen, dem Gewölbe und dem Verlies im Rahmen eines Museumsbesuchs anschauen. Teile der Anlage dienen heute auch privaten Wohnzwecken.

Dann machen wir noch einige Bilder vom Marktplatz, da hier aber der Verkehr durchrollt und es keine angenehme Möglichkeit zum Sitzen oder Einkehren gibt, entscheidet sich Ingrid, mit ins Tal zum Bahnhof zu gehen und auch mit dem Zug nach Roßwein zu fahren.