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Gaischachen – Großholzleute

Beim Durchstöbern des Blogs stelle ich fest, dass ich noch nicht alle Teilstrecken auf dieser Wanderung vorgestellt habe, das will ich umgehend nachholen.

Orchideen, Störche und Nistkästen

26.6.11

Eigentlich sollten wir heute für den Urlaub packen, aber da für die nächsten Tags große Hitze vorhergesagt wird und es heute noch erträglich sein soll, entscheiden wir uns zum Wandern. Allerdings liegen die Busfahrzeiten nicht so ganz günstig, denn schon ¼ vor 10 an der Bushaltestelle zu sein, das würde doch sehr frühes Aufstehen bedeuten und ist nicht unbedingt Ingrids Sache.

Also nehmen wir den nächsten kurz vor 12 Uhr in Großholzleute und ihn erreichen wir mit unserem Trevis ohne Schwierigkeiten. Leider ist der Busfahrer nicht bereit, den Fahrschein innerhalb des Verbunds bis zum Ende auszustellen, also müssen wir zweimal und dadurch mehr bezahlen. Die Busse sind leider nicht für Kinderwagen oder Buggy eingerichtet und ich befürchte mit unserem neuen großen Buggy wird es nicht gerade einfacher. In Isny steigen wir um und in Gaischachen wieder aus, denn von hier ist es kürzer bis zum Martinusweg als von der Haltestelle, die wir beim letzten Mal angesteuert hatten. Es geht durch ein Naturschutzgebiet mit Hochmoor, das aber ziemlich verlandet ist. Der Weg wäre teilweise wie für Della gemacht, aber die vielen Radfahrer machen es fast unmöglich, sie auf dem Weg trödeln zu lassen.

Immer wieder schauen wir uns genau um, denn noch müssten ja Orchideen blühen und tatsächlich werden wir fündig.

Nach der Rast und kurz vor Isny schlägt Ingrid noch einen Abstecher in Richtung Segelflugplatz und einem Niedermoor vor, auf dem Weg nach Isny sind sehr Nistkästen angebracht und die meisten auch mit Vögel bemalt, wobei ich mich fragen, ob die Vögel dann wissen, welchen Nistkasten sie bewohnen dürfen. Allerdings Störche oder auch Eulen erscheinen mir doch etwas groß und Siebenschläfer und Mäuse kann man wohl nicht unbedingt zu den Vögeln zählen. Allerdings so ein Zettel, soll in einen Nistkasten für Fledermäuse tatsächlich auch diese Tiere dort gewohnt haben. Auf diesem Teilstück kommen wir nur langsam voran, denn Ingrid fotografiert mindestens 20 dieser Kästen, gottseidank die meisten nur digital.

In Isny kommen wir bald zum Kurhaus mit der Parkanlage und außerhalb der Stadtmauer gehen wir zum Espanturm und erreichen durch eine schmale Gasse den Marktplatz. Dabei lohnt sich durchaus ein Blick nach oben, denn auf dem hohen Kamin des Rathauses nistet ein Storchenpaar mit 3 Jungen, die schon die ersten Flugversuche unternommen haben. Durch die Fußgängerzone erreichen wir die beiden Kirchen, wobei die St. Georg und Jakobus mit ihrer barocken Ausstattung ansprechender ist. Durch das Isnyer Schloss, das vor der Säkularisierung ein Kloster war, erreichen wir einen Fußweg nach Kleinhaslach und weichen damit erneut von ausgeschilderten Weg ab. Allerdings müssen wir dann doch noch durch Straßen gehen.

In Kleinhaslach verlassen wir den Ort in Richtung eines römischen Kastells, doch ohne die Hinweistafeln hätte man das nicht vermutet, denn bestenfalls ein Graben vor einer kleinen Hügelhochfläche könnte darauf aufmerksam machen, aber es könnte natürlich auch nur eine Laune der Natur.
Über ein Feld erreichen wir einen alten Bahndamm, hier folgend wir dem sehr steinigen Pfad und kommen dann zu einem kleinen Stausee, der bei dem tollen Badewetter natürlich entsprechend genutzt wird. Wieder geht es auf einem Grasweg weiter und dann folgen wir der Straße nach Kleinholzleute, unterqueren die Bundesstraße und schauen uns kurz die Kapelle am Ortsrand an. Dabei überholt uns eine Radfahrerin, die wir allerdings unsererseits bald überholen, denn ein Defekt zwingt sie das Rad halb zu tragen und das geht dann doch nicht so schnell. Bald erreichen wir unser Auto und fahren zurück nach Isny. Im Gartenrestaurant des Kurhauses kehren wir mit Della ein, die wir dann zum Auto zurückbringen, das schön im Schatten steht und schlendern nochmals durch das hübsche Städtchen, schauen nochmals nach den Störchen, die wir dann auch live auf einem Fernseher in einem nahegelegenen Geschäft bewundern können.

Niederhaus – Neresheim (2)

Wir steigen langsam aber stetig bergan, kurz am Waldrand und einen asphaltierten Weg entlang und dann nochmals durch einen Wald. An dessen Ende machen wir Pause, denn die nächsten Kilometer versprechen keinen Schatten und werden daher wohl ziemlich anstrengend. Nicht weit entfernt sehen wir einen Fuchs gemächlich im Feld verschwinden. Keine Wolke schützt vor der Sonne und nur selten spendet ein Baum etwas Schatten, obwohl die Temperatur durch den starken Wind für uns noch erträglich ist, doch Della dürfte dieses kühlende Element fehlen, was man ihr auch durchaus anmerkt.

Kurz müssten wir auf der Straße gehen, doch dann ist erfreulicherweise daneben ein schmaler Pfad gemäht. Vom tiefen Tal steigen wir hinauf zur Wallfahrtskapelle Maria Buch, wo wir uns im Schatten der Bäume erholen und Della im Brunnen ein Bad nimmt.

Über die Entstehung der Kapelle Maria Buch gibt es folgende Legende: Der 30-jährige Krieg hatte viel Not und Elend über die Bevölkerung des Härtsfelds gebracht. Die umliegenden Dörfer wurden vom Kloster Neresheim seelsorgerisch betreut. Dabei hatte Abt Meinrad Denich im Jahr 1663 bei einem Ritt nach Ohmenheim ein besonderes Erlebnis. Vor einer einzeln stehenden Weißbuche blieb sein Pferd stehen und war nicht zum Weitergehen zu bewegen. Nach einigen Versuchen kam dem Abt der Gedanke, es müsse vielleicht etwas Besonderes in der Buche verborgen sein. Bei näherem Schauen entdeckte er einen ziemlich großen Auswuchs, als man diesen öffnete, fand man ein altes Marienbildnis aus Ton im Innern der Buche. Dies wurde als himmlisches Zeichen gedeutet und das Volk pilgerte nun zu dieser Buche mit dem Gnadenbild, um Gottes Hilfe aus allerlei Not zu erbitten.

Es wurde zunächst eine schlichte Kapelle errichtet, da jedoch Tausende von Wallfahrern jährlich an den Gnadenort kamen, wurde Jahr 1711 eine größere Kirche erbaut – mit einer Länge von 37 m, zwei Türmen und einem Mesnerhaus. Die Buche war in Bau integriert und ragte über das Kirchendach hinaus. Im Franzosenkrieg unter Napoleon, nach der Schlacht bei Neresheim im Jahr 1796 wurde diese Kirche ein Raub der Flammen. Später entstand dann wieder eine bescheidene Kapelle und im Jahr 1889 wurde die jetzige Kapelle gebaut.

Auf dem Waldweg zum Kloster Neresheim finden wir mehrere Exemplare des seltenen roten Waldvögeleins. Diese Orchidee gehört zur Familie der Knabenkrautgewächse, ist geschützt und blüht von Mai bis Juli. Im Klosterareal stellen wir fest, dass einige Gebäude seit unserem letzten Besuch restauriert worden waren und wir beobachten eine mit Lautsprecher unterstützte, kleine Gruppe auf der Prozession nach Maria Buch.

Wangen – Staudacher Mühle (2)

Anschließend geht es im Wald bergauf und als wir diesen verlassen, sehen wir auf einem sonnenbeschienenen Berghang die ersten blühenden, wenn auch nicht sehr großen Orchideen. Es ist immer wieder ein Genuss, wenn diese unter Naturschutz stehenden wilden Blumen blühen.

Auf der Hochfläche haben wir dann einen schönen Rückblick nach Wangen und übers Allgäu. Nur kurz sind wir der prallen Sonne ausgeliefert, es hat weit über 20 Grad, dann geht es im schattigen Wald weiter. An einer Weggabelung zeigt das Zeichen des Wanderwegs, der bisher parallel zum Martinusweg verlief, steil bergauf, während der Martinusweg nur leicht ansteigend nach rechts abbiegt. Laut Karte treffen die beiden Wege später wieder zusammen und es ist klar, wir nehmen den steilen Weg, der andere wäre mit dem Buggy ja zu einfach.

An einer Lichtung sehen wir über den Hügeln des Allgäu die schneebedeckten Spitzen der Alpen.

In Halden zeigt der Weg nach links, doch wir gehen geradeaus, denn Ingrid will die nächste Bushaltestelle und den dort durchfahrenden Bus erreichen. Als wir einen Hof durchqueren, fragt Ingrid ob wir hier ins Tal kommen würden. Jetzt sei es noch möglich, denn noch sei der Weg nicht zu sehr zugewachsen.

Eine sehr optimistische Beschreibung des tatsächlichen Zustands, aber wir kommen, wenn auch mit viel Mühe durch. Nach einem Hof geht es dann auf asphaltierten Wegen weiter und wir kommen tatsächlich 5 min vor der Busabfahrt an. Der Busfahrer fährt einen Reisebus als Linienbus und hat Probleme mit unserem Buggy, den er in den Gepäckraum verbannen will, aber als er die hintere Tür öffnet, bin ich die beschwerlichen Treppen emporgestiegen, ehe er aussteigen und das Gepäckfach öffnen kann. Bruttelnd fügt er sich und so kommen wir zurück nach Wangen.

Wir gehen wieder durch die Altstadt und machen an einem Straßencafe Pause, Ingrid länger als ich, denn ich gehe den guten Kilometer und hole das Auto, das ich in der Nähe der Engelsmühle abstelle und auf dem Weg zum Auto können wir den noch nicht gesehenen Teil der Altstadt ansehen, vor allem noch einige der unzähligen Wangener Brunnen.