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Wallerstein – Niederhaus

Hinter dem weißen Figurenobelisk verlassen wir das Städtchen, das Wetter ist so wie im Internet vorhergesagt, Sonne und Wolken, allerdings etwas windig. Interessant ist der Rückblick nach Wallerstein. Durch Felder und 2 Dörfchen kommen wir nach Nördlingen. Da wir die Stadt an der romantischen Straße vor einem Jahr bei unserer Wan-derung rund um die schwäbische Alb ausführlich besichtigt haben, machen wir heute keinen Stadtrundgang, sondern durchqueren die Stadt auf direktem Wege.

Die Stadtmauer, die zum größten Teil begehbar ist, umschließt den mittelalterlichen Stadtkern, der nur durch die Tore wie z.B. das Bergertor, das anstelle eines ehemaligen Zwingers in den Jahren 1435-1436 durch Hans Rews erbaut wurde. 1574-1575 erfolgte der Ausbau der oberen Turmgeschosse in der heutigen Form und die Vollendung des Turmes durch Wolfgang und Kaspar Wallberger. 1980 wird das Bergertor renoviert und eine bestehende Stadtmauerlücke geschlossen. Das Rathaus ist das älteste Steinhaus der Stadt aus dem 13. Jahrhundert. Von 1313 bis 1382 wird es als Messekaufhaus verwendet, seitdem wird es ununterbrochen als Rathaus der Stadt genutzt. Viele wunderschöne alte Häuser prägen das Bild der Stadt, wie das liebevoll renovierte Gerberhaus in der Nähe der Stadtmauer.

Aber heute haben wir die Zeit, um die spätgotische Hallenkirche St.-Georgskirche zu besichtigen, deren 90 m hohe Turm über dem Westportal, im Volksmund „Daniel“ genannt wird. Nachdem 1427 der Entschluss zum Bau des Gotteshauses gefallen war, wurde gut 20 Jahre später der Chor fertig gestellt und der Bau des Langhauses begonnen. Auf 22 schlanken Säulen werden Schiff und Chor überwölbt; 24 Fenster mit Maßwerk bringen Licht in die Kirche. Nach der Herstellung des Hochaltars durch Friedrich Herlin 1462 und der Vollendung des Turmes 1490 ist 1505 der Bau mit der Ausführung des prächtigen Gewölbes beendet. Im Zuge der Reformation wird die Kirche in den Jahren 1523/25 evangelische Stadtkirche. 1945 zerstörte eine Fliegerbombe die 1889 aufgestellte „Steinmeyer-Orgel“ und 1974 fiel die alte Barockorgel aus dem Jahre 1610 einem Feuer zum Opfer. 1971-1977 erfolgte die letzte Restaurierung; den Abschluss bildete die Einweihung der neuen Hauptorgel auf der Westempore.

In Verlängerung des Chors der St. Georgskirche steht mitten auf dem Rübenmarkt seit 1902 der Kriegerbrunnen am Platz eines früheren Judenbrunnens. Er ist den Gefallenen des Krieges von 1870/71 gewidmet. Das mit einem Adler bekrönte Kunstwerk des Münchner Bildhauers Wrba gefällt durch seine einzigartigen Jugendstilelemente wie den Bronzefiguren als Halterung der eisernen Absperrung.

Im Grünstreifen außerhalb der Stadtmauer essen wir unser Vesper, doch in der Zwischenzeit hat sich die Sonne verzogen und es wird immer kälter. Hinter Nördlingen erwartet uns eine landschaftlich abwechslungsreiche Etappe über die Ries-Hochfläche. Wir steigen zum Adldlersberg am Riesrand hinauf schauen zurück in das südliche Riesbecken. Der Himmel zieht sich bedenklich zu. Dann beginnt es zu tröpfeln, ringsum scheint es aber heftiger zu regnen, diesmal scheint der Radiowetterbericht genauer zu sein als das Internet. Der Wanderweg macht viele Wendungen und ich frage mich, muss das wirklich so sein oder gäbe es nicht auch einen direkteren Weg über den Albuch, wo einst im 30-jährigen Krieg die Schlacht bei Nördlingen stattfand, die 12.000 Menschenleben forderte. Dann wird der Regen stärker und mit weitem Bogen führt der Wanderweg ins Tal nach Hürnheim hinab, um den Ort herum – durch den Ort wäre kürzer gewesen – und dann folgt der letzte Anstieg bis zum Parkplatz bei der Ruine Niederhaus.

Auf der Rückfahrt schaut sich Ingrid noch bei strömenden Regen nach Oldtimerbussen um, während ich direkt heimfahre.

Wallerstein

Heute sind die Oldtimerschienenfahrzeuge des Nördlinger Eisenbahnmuseums unterwegs und so steigen wir in Nördlingen in einen nostalgischen Schienenbus und fahren nach Wallerstein.

Die mittelalterliche Siedlung, die ursprünglich Steinheim genannt wurde, entstand an einem Fernweg für Kaufleute, Pilger und Soldaten von Italien nach Frankfurt und wurde erstmals urkundlich 1238 erwähnt. Die Burg auf dem Felsen war Mittelpunkt der staufischen Regentschaft im Ries und befand sich im Besitz des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Nach dem Niedergang des Geschlechts ging der Besitz um 1250 an das Haus Oettingen über. 1500 erfolgte die Verleihung des Marktrechts durch Kaiser Maximilian I. Später wurde der Ort Obervogtamt und Residenz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein, mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zu Bayern.

Vom Bahnhof steigen wir zunächst in der Stadt aufwärts und dann als Gäste des Fürsten Wallersteins auf den Felsen, der uns einen schönen Rundumblick über das Ries gestattet, leider mindert der Dunst das Vergnügen doch nachhaltig. Abwärts kommen wir zur Kapelle Maria Hilf, der markante Rundbau mit Kuppel, Laterne und Renaissanceportal wurde 1623 – 26 im Barockstil erbaut. Nach Zerstörung der alten Burg 1648 durch die Schweden wurde der fürstliche Wohntrakt in der Herrenstraße errichtet. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Schloss der Regierungssitz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein. Seine heutige Gestalt hat die imposante Dreiflügelanlage 1804 erhalten.

Vorbei an schönen Häusern kommen wir zur Ortsmitte des idyllischen Residenzorts, der direkt an der Romantischen Straße im Herzen des Rieses liegt. Wir sehen die katholische Pfarrkirche St. Alban, die 1613-16 im Übergangsstil zwischen Gotik und Barock mit Elementen von Gotik, Renaissance und Barock erbaut wurde, und bewundern das Wahrzeichen Wallersteins, die Pest- oder Dreifaltigkeitssäule.

Als die Pest um 1679 Tausenden von Menschen das Leben kostete, war es Graf Anton Karl von Oettingen-Waller-stein, der die Pestsäule durch den Bildhauer Johann Georg Beschorer nach dem Vorbild böhmischer Pestsäulen und der Wiener Pestsäule errichten ließ, um den zürnenden Gott im Namen des Volks um Barmherzigkeit und Verschonung zu bitten. „Fern sei der Seuche Gewalt unserem Land und dem Haus“. Der reiche Figurenschmuck der Säule zeigt zu Füßen der Dreifaltigkeit die hl. Maria sowie die Heiligen Rochus, Sebastian und Antonius von Padua.