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Bhf Kromlau – Schleife

 Dampfzugnostalgie

Unsere Streckenführung ist heute in ganz besonderem Maße dem öffentlichen Nahverkehr und der Dampfzugnostalgie geschuldet. Nach unserem Abstecher nach Bad Muskau setzen wir unsere Wanderung im Rhododendronpark Kromlau fort, dazu fahren wir von Weißwasser aus mit der Waldeisenbahn. Dann haben uns einen Endpunkt gesucht, der es uns ermöglicht, nach Weißwasser zurückzukehren.

Doch zum Ablauf, obwohl wir nur ganz wenig Gepäck in das Zimmer gebracht haben, dauert es nach dem ausgiebigen Frühstück doch seine Zeit, bis alles im Auto verstaut ist. Nachdem wir noch einige Worte mit unseren Gastgebern gewechselt haben, wird klar, die erste Bahn nach Kromlau schaffen wir nicht, denn wir müssen ja noch zuerst unser neues Quartier aufsuchen und dort einiges ausladen. Die neue Ferienwohnung ist sehr schön, doch sehr, sehr abseits gelegen, ganz nahe der polnischen Grenze, so haben wir fast 15 km zum nächsten Supermarkt und wahrscheinlich zu einem internetfähigen Netz.

Auf der Fahrt nach Weißwasser erfährt Ingrid, als das Telefonieren dann wieder funktioniert, dass die Bahnverbindung Schleife – Weißwasser stündlich erfolgt, nur um 19 Uhr fällt die Verbindung aus, was uns zu diesem Zeitpunkt nicht interessiert. Wir stellen unser Auto am DB-Bahnhof Weißwasser ab und gehen zum Bahnhof der Waldeisenbahn. Hier steigen wir mit dem Buggy früh in den entsprechenden Waggon ein, denn viel Platz für Buggys und Fahrräder gibt es nicht. Schön ist die Fahrt durch die Wälder mit den vielen versteckten Teichen.

Herbert in der Waldeisenbahn

Weißwasser-Bad Muskau (4)

Die Muskauer Schlossanlagen bestehen aus mehreren Gebäuden, dem Neuen und Alten Schloss, dem Kavaliershaus sowie dem Marstall und der Orangerie. Das neue Schloss sollte nach Pücklers Vorstellungen das Zentrum der Anlage bilden.

Es wurde im Neorenaissancestil als Dreiflügelanlage gestaltet, wobei sich der Schlosshof nach Osten, also zur Neiße öffnet. Die von Schinkel geplante Schlossrampe bildet den Übergang zum Park. Während der Mittelflügel viergeschossig ausgeführt wurde, sind die Seitenflügel mit einem Geschoss weniger ausgestattet. An den Scheitelpunkten zwischen Mittelflügel und Seitenflügen befinden sich Rundtürme mit unterschiedlicher Höhe. Das Schloss ist geprägt von zahlreichen Schmuckelementen wie Ziergiebel, – gitter, Balkone, Figuren und Schmuckfriese. In den Jahren 1863-66 wurde das Schloss im Auftrag des Prinzen der Niederlande in das heutige Erscheinungsbild umgebaut.

Entlang eines kleinen Flusslaufs und vielen blühenden Rhododendronbüschen erreichen wir die neue erbaute englische Brücke über die Neiße. Diese rechts liegen lassend kehren wir im weiten Bogen zum Schloss zurück, am Marstall vorbei kommen wir zur Orangerie und entlang der Neiße zum Badepark. Wenig später sind wir wieder am Endpunkt der Waldeisenbahn und bei unserem Auto. Da Ingrid total durchgeschwitzt ist, verzichten wir auf einen Restaurantbesuch und ernähren uns von dem, was wir noch im Kühlschrank und in unserer Essenstasche haben.

Am Abend überlegen wir, wie wir weiterwandern wollen, ohne Internetzugang – wir haben hier nur das polnische Vodafonenetz – können wir nicht schauen, wo und wie Busse oder Züge fahren.

Weißwasser – Bad Muskau (2)

Gleich neben dem Bahnhof Teichstraße entstand ein Eisenbahnmuseum und ein Besucherinformationszentrum. Heute nutzen jährlich ca. 40 000 Gäste die Bahn.

Wir fahren zuerst nach Bad Muskau und ich bin froh, dass wir rechtzeitig dort ankommen, denn der Weg vom Parkplatz zum Bahnhof der Kleinbahn in Bad Muskau ist doch etwas weiter, als erwartet.

Von Rhododendron umgeben, warten wir nur wenige Minuten, bis das Züglein eindampft. Wir verstauen den Buggy im Fahrradwaggon, dann kaufe ich die Fahrkarten und Ingrid sucht einen schönen Platz. Für die wenigen Kilometer braucht die Bahn mit der qualmenden Lok 35 Minuten, nicht zuletzt, weil an fast jeder Straße ein Zugmitarbeiter entweder die Schranke oder eine Blinkanlage in Betrieb setzen oder mit einer Flagge den Verkehr warnen muss.

GraureiherIn Weißwasser warten wir zum Fotografieren, bis der Zug nach Kromlau abfährt. Wir gehen an den schon erwähnten Teichen entlang, sehen einen Graureiher und zwei ganz junge Blesshühner von Nahem. Als wir die Häuser verlassen, freuen wir uns auf eine schöne Wanderung durch den Kiefernwald.

Weißwasser – Bad Muskau (1)

Natürlich gibt es auch was Positives über Weißwasser zu sagen. Hier beginnt die Waldeisenbahn nach BWaldeisenbahnad Muskau und Kromlau und die Teiche am Rande der Stadt sind sehr schön.

Nachdem Weißwasser im Jahr 1867 an die Eisenbahnstrecke Berlin-Görlitz angeschlossen wurde, war die Grundlage geschaffen, um die Industrialisierung zu beflügeln. Der neue Besitzer der Standesherrschaft Muskau Hermann Graf von Arnim wollte nicht nur den Park und das Schloss in Muskau erhalten, sondern vorrangig das Gebiet industriell weiterentwickeln. So entstanden u. a. Braunkohlegruben, Sägewerke, Ziegeleien und Papierfabriken, die durch eine Schmalspurbahn mit 600 mm Spurweite miteinander verbunden wurden. Allmählich setzte sich der Name Waldeisenbahn durch.

Begonnen wurde der Betrieb mit einer Pferdebahn, der ein Jahr später, also 1896 die ersten Dampflokomotiven folgten und innerhalb weniger Jahre umfasste das Streckennetz 85 km. Am stärksten frequentiert war die Bahn 1940 mit damals 11 Dampfloks.

Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einem starken Einbruch, viele Betriebe fielen weg, Gleise wurden demontiert und wie auch Loks und anderes Zubehör in die Sowjetunion verbracht. Allerdings wurde die Waldeisenbahn weiter betrieben, ab 1951 unter der Regie der Reichsbahn, nach 1970 verlor sie zunehmend an Bedeutung und 1979 wurde der Betrieb offiziell eingestellt, mit Ausnahme der sogenannten Tonstrecke, mit der eine Ziegelei versorgt wurde, die noch bis 91 betrieben wurde.

Bereits Mitte der 80iger Jahre kümmerten sich Eisenbahnfreunde in Weißwasser um die Bahn, der sie in Muskau ein Denkmal setzen wollten und 1984 gab es auf dem noch vorhandenen Restnetz erste Sonderfahrten mit Personenverkehr.

Wenige Jahre später wurde mit dem Bau des Bahnhofs Teichstraße in Weißwasser begonnen: Nach der Wende erkannte man, dass man aus der Waldeisenbahn erheblich mehr machen konnte, als nur ein technisches Denk-mal. Bereits 1992 konnte die Strecke nach Kromlau in Betrieb genommen werden und drei Jahre später die Strecke nach Bad Muskau.